[Nordinsel] Tongariro Alpine Crossing

Als wir unsere Neuseeland-Reise planten, stand eines von Anfang an fest: wir wollten das Tongariro Alpine Crossing laufen. Wir wandern auch in unserer Heimat Rheinland-Pfalz gerne und viel, aber dies sollte unsere erste alpine Wanderung werden. Unwirkliche Steinwüsten, riesige Vulkankegel, leuchtende Bergseen – das klang einfach zu traumhaft, um darauf zu verzichten.

Weil wir nur zu zweit durch Neuseeland reisten und uns für die Wanderung nicht mit anderen Leuten zusammenschließen wollten, mussten wir vorab eine wichtige strategische Entscheidung treffen: Wo stellen wir unser Auto ab? Das Tongariro Alpine Crossing ist nämlich kein Rundweg! Egal, ob ihr am Start- oder Endpunkt der Wanderung parkt, ihr benötigt in jedem Fall einen Shuttle-Service – nur entweder morgens oder abends. Wir haben hier das Angebot von Turangi Alpine Shuttles genutzt (40 € für 2 Personen, unbedingt vorab buchen!) und uns morgens um 8 Uhr vom Endpunkt der Wanderung (Ketetahi Carpark) zum Startpunkt (Mangatepopo Carpark) fahren lassen. So konnten wir den Wanderweg ganz in unserem Tempo laufen, ohne dass wir am Abend zu einem bestimmten Zeitpunkt den Shuttlebus erreichen mussten. Die Fahrt dauerte rund 40 Minuten. Ein gut gemeinter Rat an alle Ladies: Nutzt auf jeden Fall die Toiletten am Startpunkt der Wanderung, so wenig einladend sie auch sein mögen. Es gibt auf dem gesamten Weg nur zwei weitere Möglichkeiten für einen Toilettenbesuch und ihr werdet viel, viel trinken.

sanfter-beginn

Die ersten Kilometer sind noch ganz entspannt

Um 8.45 Uhr war es dann so weit: unser Abenteuer konnte beginnen!  Rund 9 Stunden hatten wir für den 19,4 Kilometer langen Wanderweg eingeplant. Die ersten paar Kilometer ging es entspannt und ohne nennenswerte Höhenunterschiede durchs Grasland. Die Sonne kämpfte sich nur langsam über die Hügel des Tongariro Nationalparks, es war fast noch ein bisschen kühl. Am Horizont zeichnete sich die Silhouette des Mount Ngauruhoe ab – „Herr der Ringe“-Fans wie uns besser bekannt als der Schicksalsberg. Was für ein Panorama! Schon bald erreichten wir die Soda Springs, die ein paar hundert Meter abseits des Weges liegen. Patryk nutzte die Gelegenheit, um seine Trinkflasche nochmal mit frischem Wasser zu füllen. Gönnt euch eine kleine Pause, denn die nächste Etappe – auch „Devil’s Staircase genannt – hat es in sich. Der Weg wurde zunehmend anspruchsvoller und steiler, wir gerieten ganz schön ins Schwitzen. Die Sonne versteckte sich glücklicherweise vorübergehend hinter ein paar dicken Wolken und leichter Nebel zog auf, sonst wäre uns vermutlich noch viel wärmer geworden. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir den South Crater und genossen es, ein paar hundert Meter flach geradeaus laufen zu können. Von hier aus hat man nochmal einen wunderbaren Blick auf den Schicksalsberg.

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Auf lange Ebenen folgen umso steilere Steigungen

Schon bald stieg der Weg wieder stetig an, das Gelände wurde unwegsamer. Ein paar Stahlseile an den Felswänden boten an den schwierigsten Stellen Halt, um nicht abzurutschen. Wir kletterten und kletterten, bis sich vor uns der atemberaubende Red Crater auftat. Wir waren sprachlos und auch heute noch fällt es uns schwer, diese unglaubliche Landschaft in Worten zu beschreiben. Wir hatten Glück: die Wolken hatten sich komplett verzogen und wir konnten ungestört den tollen Blick hinab ins Oturere Valley genießen. Ein perfekter Platz für unsere Brotzeit! Wer noch ein paar extra Energiereserven übrig hat, kann von hier einen Abstecher zum Gipfel des Mount Tongariro machen (hin & zurück + 1,5 Stunden).

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Blick über den Red Crater mit dem Schicksalsberg im Hintergrund

Wir entschieden uns dagegen und setzten den regulären Wanderweg fort. Die nächsten paar hundert Meter waren nicht ungefährlich: über Sand und Geröll führte ein schmaler Pfad steil hinunter zu den Emerald Lakes. Hier mussten wir wirklich gut aufpassen, wo wir hintreten. Mehr rutschend als laufend kamen wir nur langsam voran. An den Emerald Lakes angekommen leerten wir zusammen mit allen anderen Wanderer erstmal unsere Schuhe aus, bevor wir am Rand des Central Crater weiter Richtung Blue Lake liefen. Der kleine rund 16 Meter tiefe Frischwassersee macht seinem Namen alle Ehre: das Wasser ist dank freigesetzter Mineralien leuchtend blau und glitzert in die Sonne. Ein sehr hübscher Anblick.

Nach einer kurzen Verschnaufpause traten wir den Abstieg Richtung Ketetahi Shelter an. Der Weg ist wunderschön und bietet einen herrlichen Ausblick hinab ins Tal – und auf die noch vor uns liegende Strecke. Hier kann man sich wahrlich nicht einreden, dass das Ziel bestimmt schon hinter der nächsten Biegung liegt. Macht aber auch nichts, denn wir haben die Landschaft sehr genossen. Im Zickzack ging es stetig bergab, wir liefen und liefen und liefen. Nach gut eineinhalb Stunden erreichten wir die Ketetahi Schutzhütte und freuten uns über das langsam dringend benötigte Toilettenhäuschen.

Die letzten Kilometer des Weges führen weiter hinab ins Tal, hier und da erhascht man einen Blick auf den aufsteigenden Dampf der Ketetahi Springs, die jenseits des Weges auf Privatland liegen. Betreten strengstens verboten! Achtet unbedingt mal auf die Felsen nahe der Quellen: das heiße Wasser und der Dampf zaubern in Zusammenwirkung mit den im Stein enthaltenen Mineralien ein tolles Farbenspiel. So langsam machten sich die Anstrengungen der Wanderungen nun doch bemerkbar. Mit schmerzenden Oberschenkeln setzten wir unseren Weg fort, durchquerten einen üppig grünen Regenwald und dann hatten wir es tatsächlich geschafft: das Tongariro Alpine Crossing lag hinter uns! 19,4 Kilometer hatten wir erfolgreich bezwungen. Stolz und auch ein bisschen müde bewältigten wir auch noch die letzten Meter bis zum Auto. Was für ein toller Tag!

Ihr wollt jetzt am liebsten direkt selbst loswandern? Bevor ihr euch in eure Wanderschuhe schwingt, möchten wir euch noch 3 wichtige Ratschläge mit auf den Weg geben:

Unterschätzt die Strecke nicht!

800 Höhenmeter auf 19,4 Kilometern – klingt doch eigentlich machbar! Ist es auch! Das Tongariro Alpine Crossing zählt zu den beliebtesten Tageswanderungen in Neuseeland, täglich laufen mehrere hundert Menschen diesen Weg. Rein technisch birgt die Strecke keine großen Herausforderungen. Aber ein gewisser Fitness-Level ist unbedingte Voraussetzung, sonst verliert ihr schnell den Spaß. Wer 800 Höhenmeter nach oben klettert, muss später auch 1200 Höhenmeter hinunter laufen (nicht wundern: der Startpunkt liegt höher als das Ziel). Das geht ganz schön in die Beine… Plant in jedem Fall ausreichend Zeit ein, um ein paar wohlverdiente Pausen einlegen zu können. Ihr wollt schließlich die Landschaft genießen und keinen Wettbewerb gewinnen.

Behaltet das Wetter im Auge!

Ihr befindet euch in alpinem Terrain, das Wetter schlägt hier oft schneller um als erwartet. Wir haben es selbst erlebt: zwischen Sonnenschein und dichtem Nebel lagen nur einige wenige Minuten. Wenn nun auch noch Wind oder Regen hinzukommt, kann es wirklich gefährlich werden. Wir haben Berichte von Wanderern gelesen, die sich an den höchsten Punkten der Strecke aufgrund starker Windböen nur kriechend fortbewegen konnten. Es gibt entlang des Weges nur wenige Möglichkeiten, um Schutz zu suchen. Informiert euch am Vortag unbedingt über die Wettervorhersage und bereitet euch bei düsteren Aussichten darauf vor, eure Wanderung lieber zu verschieben. Wenn ihr euch unsicher seid, fragt am besten in eurer Unterkunft nach – schließlich haben die Einheimischen die beste Erfahrung darin, die Wetterberichte richtig zu deuten. Unser Alternativprogramm wäre ein langer Spaziergang auf dem Tongariro River Trail (in flacheren Gefilden) gewesen. Doch wir hatten Glück: der Wettergott war auf unserer Seite!

Packt die richtige Ausrüstung ein!

Stabile Wanderschuhe und eine Regenjacke gehören zur Pflichtausrüstung eines jeden Wanderers – auch wenn ihr bei strahlendem Sonnenschein aufbrecht. Eine zusätzliche Funktionsjacke ist ratsam, denn sie ist atmungsaktiv und schützt euch trotzdem vor dem teils kühlen Wind. Nehmt außerdem ausreichend Wasser (mindestens 3 Liter pro Person!) sowie Proviant mit und vergesst auf keinen Fall das Sonnenschutzmittel (auch für die Lippen – wir haben da schmerzhafte Erinnerungen…).

Und jetzt: Viel Spaß – ihr werdet es nicht bereuen!

Nach Wandern kommt Entspannung

Wer sich nach der anstrengenden Wanderung ein bisschen Ruhe gönnen und dafür nicht Richtung Norden bis nach Taupo fahren möchte, ist in der Snowy Waters Lodge in Raetihi goldrichtig. Das alte Schwesternheim hat zwar schon einige Jahre auf dem Buckel, versprüht aber immer noch viel Charme und bietet gemütliche Schlafzimmer mit Gemeinschaftsbad. In der Sommerzeit ist es hier angenehm ruhig, denn seine Hochzeiten erlebt die kleine Pension eher im Winter während des Skitourismus. Das Frühstück ist im Zimmerpreis übrigens mit inbegriffen.

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