[Oman] 1001 Nacht statt Winterdepression

„Oman? Was um Himmels Willen wollt ihr denn da?“ Diese erstaunte Frage haben wir immer wieder gehört, wenn wir von unseren Reiseplänen erzählten. „Da gibt es doch nichts zu sehen außer Wüste!“ Pah, wenn ihr wüsstest, was das unscheinbare Sultanat alles zu bieten hat…

Es war einmal…

2015. Es war ein Herbsttag par excellence: grau, verregnet und ungewöhnlich kalt. Wir saßen im Wohnzimmer eingekuschelt in dicke Decken und wünschten uns weit, weit weg. Irgendwohin, wo es warm ist. Und sonnig. Nochmal die Sommerkleidung hervor kramen, das wär’s jetzt… Aber Moment mal, irgendwo auf der Welt ist doch jetzt Sommer! Hey, in manchen Ländern ist sogar gefühlt immer Sommer! Und wir haben noch ein paar Urlaubstage übrig! Wer sagt denn, dass man den ersten Advent immer bei Glühwein und Kerzenschein verbringen muss?

Also haben wir den imaginären Globus gedreht. Wo finden wir das perfekte Reiseziel für eine warme Woche? Kanaren? Zu voll (und vielleicht auch doch nicht warm genug)! Südafrika? Zu weit weg! Florida? Zu teuer! Mexiko? Zu groß für unsere begrenzte Zeit! Was ist das denn da für ein kleiner Fleck Land neben den Arabischen Emiraten? Oman. Hatten wir bisher noch gar nicht auf dem Schirm… Schnell mal gegoogelt: durchschnittlich 9 Sonnenstunden bei 25 Grad im Dezember. Klang perfekt! Die Bilder bestätigten, was wir schon längst wussten: wir wollen hin! 3, 2, 1 – gebucht!

Zerklüftete Berglandschaften, endlose Wüsten, beeindruckende Wadis, unzählige Palmen, glitzerndes Wasser und dazwischen Städte wie aus 1001 Nacht. Wir freuten uns riesig! Aber ein einwöchiger Urlaub in so einem spannenden Land will gut geplant sein, denn neben möglichst vielen Abenteuern sollte auch noch Zeit für entspannte Stunden am Strand bleiben. Nach einem Roadtrip stand uns nicht der Sinn. Also brauchten wir eine gute Ausgangsbasis. Muscat oder Salalah? Wir entschieden aus dem Bauch heraus: Muscat! Auch der kürzeren Flugzeit wegen. Von dort aus mit dem Mietwagen gut erreichbar: Nizwa, Sur, Wadi Shab. Reicht als Ausflugspotenzial für eine Woche.

Verpasst man denn nicht unglaublich viel, wenn man sich nur auf eine einzige Region konzentriert? Bestimmt! Aber mal ehrlich: man hat doch nie genug Zeit, ein Land zu erkunden. Wir sind beide Anfang 30, leben (fast) ebenso lange auch in Deutschland – und haben längst noch nicht alle Ecken unserer schönen Heimat gesehen. Dabei gibt es kaum ein Land, in dem man so gut von A nach B reisen kann wie bei uns. Also, irgendwo muss man ja anfangen. Wenn’s uns gefällt, kommen wir einfach nochmal wieder.

Na dann, nichts wie… Ach, stopp! Schlafen müssen wir ja auch noch irgendwo. Die gängigen Hotelsuchmaschinen erschlugen uns fast mit ihrem schier endlosen Angebot. Wo fangen wir da bloß an? Am besten beim Preis! Dem scheinen nach oben nämlich keine Grenzen gesetzt zu sein. Hast du 3.000 € übrig? In Oman kannst du dafür 7 Tage königlich residieren. Bestimmt toll, für unsere Reisekasse dann aber eine Nummer zu groß. Wir haben lieber das mittlere Preissegment durchstöbert und sind schnell fündig geworden: das Crowne Plaza Muscat hat uns auf ganzer Linie überzeugt! Ruhig gelegen, mit schicken Zimmern, einer großzügigen Sonnenterrasse und einem von Felsklippen eingefassten Privatstrand. Und der Coup: aufgrund der Nationalfeiertage in den Vereinigten Arabischen Emiraten vermietete das Business-Hotel seine Zimmer gerade zum Sonderpreis! Was gab’s da noch zu überlegen? Wir schlugen zu und zählten ungeduldig die Tage bis zum Abflug.

Und… Schnitt!

Das alles ist jetzt schon eine kleine Weile her. Warum wir es trotzdem noch erzählen? Weil wir immer noch verzaubert sind. Von der unglaublichen Landschaft, von der faszinierenden Kultur, von der Freundlichkeit der Menschen. Kein Wunder also, dass Omanreisen mittlerweile mehr und mehr im Trend liegen. Auch wir können nur jedem empfehlen, dieses wunderbare Land zu entdecken.

Oman ist entspannt. Menschenmassen? Fehlanzeige! Das Sultanat ist bei weitem nicht so stark frequentiert wie die schillernden Emirate, die nur wenige Kilometer entfernt mit gigantischen Bauprojekten und adrenalingeladenen Freizeitangeboten um Besucher buhlen. Stress und Hektik? Fremdwörter! Sowohl das Reisen als auch das Leben gehen mit einer Gelassenheit einher, die man aus westlichen Ländern kaum kennt. Hübsche Restaurants laden zum Verweilen ein, überall finden sich tolle Möglichkeiten für ausgedehnte Spaziergänge. Erholungsmodus: an!

Oman ist authentisch. Willkommen in der Welt aus 1001 Nacht! Klassische arabische Architektur statt funkelnder Glasbauten, verwinkelte Souks statt überdimensionaler Malls, kleine Bergdörfer statt künstlicher Inseln. Oman ist sich selbst treu geblieben. Alles wirkt irgendwie ursprünglich, ein bisschen exotisch. Naja, fast alles! Die Omanis mit ihren PS-starken Luxusschlitten passen auf den ersten Blick nicht so recht ins Bild. Doch wenn man genauer hinschaut, erkennt man, dass die Moderne langsam mehr und mehr Einzug erhält in dieses traditionsgebundene Land. Ein unglaublich spannender Kontrast, der hoffentlich noch lange erhalten bleibt!

Oman ist vielfältig. Was darf’s denn sein? Menschenleere Strände? Kein Problem, schließlich gibt es über 1700 Kilometer Küstenlinie. Abenteuerliche Klettertouren? Auf ins Hajar-Gebirge! Dort kommt jeder Bergfreund voll auf seine Kosten. Unberührte Natur? Einfach ins nächstgelegene Wadi fahren und die üppige Vegetation tief im ausgetrockneten Flusstal genießen. Zwischendurch mal Lust auf Kultur? Wie wär’s mit einem Besuch in der großen Moschee oder in einem der zahlreichen Forts? Ein Kontrastprogramm, das seinesgleichen sucht. Bei soviel Auswahl muss man schon fast aufpassen, dass man seine Urlaubswoche(n) nicht zu voll stopft!

Kurzum: Oman macht Spaß! Mit dem Auto kann man herrliche Erkundungstouren starten. Auf den Straßen haben wir uns schnell zurecht gefunden. Seit Sultan Qaboos das Land in den 1970er-Jahren dem Tourismus geöffnet hat, ist vielerorts eine gute Infrastruktur entstanden. Einige Gebiete sind allerdings auch heute noch nur mit dem Geländewagen über unbefestigte Wege erreichbar. Und ohne Auto ist man gänzlich aufgeschmissen. Öffentliche Verkehrsmittel? Wir haben kaum welche gesehen. Bus- und Bahnfans müssen wohl noch ein paar Jahre warten. Aber vielleicht ist es dann zu spät, den Oman zu erleben, in den wir uns so verliebt haben…

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