[Oman] Entdecke deine Nachbarschaft: 3 Ausflugsziele in Qurum (Muscat)

Kennt ihr das? Man bereist ein neues Land, fährt hierhin, dahin, dorthin – und würdigt die direkte Umgebung der Unterkunft kaum eines Blickes? Nur weil es dem ersten Anschein nach nichts Spannendes vor der Haustür (in unserem Fall: Hoteltür) zu entdecken gibt? Diesen Fehler wollten wir in Oman auf keinen Fall machen und haben uns Muscats Stadtteil Qurum mal etwas genauer angesehen.

Oman_QurumCrownePlaza

Raus aus dem Hotel! Rein in Muscats Stadtteil Qurum!

Eines Nachmittages zogen wir los. Zu Fuß. Ganz ohne Plan, einfach immer der Nase nach. Die unzähligen hupenden Taxis winkten wir dankend vorbei. Welches Ziel hätten wir ihnen auch nennen sollen? „Bitte einmal dahin, wo’s schön ist!“ Finden wir auch allein hin! Die Al Qurm Street führte uns gemächlich bergauf, mitten durchs Siedlungsgebiet. Unzählige Wohnhäuser, eine Moschee, ein kleines Hotel. Bislang noch keine nennenswerten Funde. Wir bogen um die nächste Kurve. Ein großer Parkplatz. Mäßig gefüllt. Aber dennoch vielleicht ein gutes Zeichen: wo man Autos abstellen kann, gibt es meist auch etwas zu tun. Nur was? Unser Blick fiel auf ein großes Tor. Mal sehen, was dahinter liegt. Wir traten hindurch und standen… in einem Park! Der erste Eindruck war vielversprechend. Nach ein paar weiteren Schritten war klar: wir hatten ein Juwel gefunden!

Qurum Natural Park: Naherholung orientalisch

Qurum Natural Park, das grüne Herz der Stadt (wenn man die ganzen Palmenhaine mal außen vor  lässt). Saftig grüne Rasenflächen, akkurat bepflanzte und leuchtend bunte Blumenbeete, ein kleiner Teich mit hübschen Sitzgelegenheiten und unzählige Spazierwege. Unser Herz machte einen kleinen Hüpfer. Es war wunderschön! Während wir so durch die Gegend schlenderten, vergaßen wir fast, dass wir uns gerade in einem Wüstenstaat befanden. Von Staub und Trockenheit keine Spur! Bestimmt das Werk unzähliger Gärtner, die dieses Kleinod so akribisch in Schuss hielten. Der kleinen Rosengarten sah aus wie aus dem Ei gepellt und im nachgebauten arabischen Dörfchen lag kein Fitzel Müll zwischen den Häusern.

Es war angenehm leer. Nur hier und da genossen ein paar Menschen die Abendsonne. Am Wochenende ist vermutlich deutlich mehr los, immerhin gilt der Park als beliebtes Ausflugsziel für Familien. Kein Wunder, denn für alle Menschen unter der 1,20-Meter-Marke gibt es noch zwei besondere Highlights: einen kleinen Freizeitpark mit allerhand Karussells und Tretboote für den eben erwähnten Teich. Kann man bestimmt auch als Erwachsener ausleihen, allerdings hat man dann mit zwei, drei kräftigen Tritten das gegenüberliegende Ufer schon erreicht.

Nach gut einer Stunde (in gemütlichem Tempo und mit viiieeelen Pausen) hatten wir den Park schließlich komplett inspiziert. Hachja, wir waren immer noch begeistert! Aber so langsam begann es zu dämmern und der Magen knurrte immer lauter. Also verließen wir unsere grüne Idylle in südwestlicher Richtung, passierten ein Amphitheater und standen wieder auf der Straße. Über den 2601 Way und die Al Shati Street liefen wir weiter gen Strand. Mann, ganz schön weit… Aufgeben und ein Taxi nehmen? Kommt nicht in Frage! Also weiter, immer weiter.

Shati al-Qurum: Corniche, Club-Sandwich und Cruisen

Und dann, endlich, tauchte vor uns das Meer auf. Da waren wir: Shati al-Qurum, der Strand von Qurum. Die beliebte Flaniermeile erstreckt sich auf gut einem Kilometer am Golf von Oman. Unsere Mägen jubilierten: es gab nicht nur Sand, sondern auch verschiedene Cafés und Restaurants, die sich auf der landinneren Straßenseite brav aufreiten. Vornehmlich Ketten, aber das störte uns nicht. Im TCHE TCHE, einem Franchise-Laden mit jordanischen Wurzeln, fanden wir einen schönen Platz auf der gemütlichen Außenterrasse und ließen uns leckere Sandwiches schmecken.

Oman_Qurum_beach

Ein leerer Strandabschnitt ist in den Abendstunden eher eine Seltenheit. Glück gehabt!

Erst jetzt merkten wir, wie voll es um uns herum eigentlich gerade war. Unglaublich voll sogar. Shati al-Qurum war offenbar DER Treffpunkt für die frühen Abendstunden. Großfamilien picknickten am Strand, Kinder hüpften im flachen Wasser, eine Gruppe junger Männer spielte Fußball und auf der zweispurigen Straße war Schaufahren angesagt: ein aufgemotzter Sportwagen röhrte lauter als der andere. Wie praktisch, dass die Straße auf beiden Seiten von einem Kreisverkehr begrenzt war: so konnte man Runde um Runde einfach auf und ab fahren. Alles in allem besser als Kino! Wir hätten noch Ewigkeiten dort sitzen und dem bunten Treiben zusehen können, doch mittlerweile war es ganz schön spät geworden. Genug für heute! Wir zahlten unsere Rechnung und traten den Rückweg zum Hotel an.

Royal Opera House Muscat: Die Arien von Arabien

In Qurum selbst gibt es übrigens noch ein weiteres, lohnenswertes Ausflugsziel. Hätten wir vorher von dessen Existenz gewusst, hätten wir es auch prima in unsere Spazierrunde integrieren können. Aber so sind wir dann eines Nachmittags extra nochmal hingefahren. Zum Royal Opera House Muscat. Ja, richtig, ein Opernhaus, nur wenige hundert Meter vom Strand entfernt. Unglaublich, oder? Bis 2016 war es tatsächlich das einzige Opernhaus in den Golfstaaten, mittlerweile hat (natürlich!) Dubai nachgezogen. Das können die Emiratis ja ganz gut.

Nun sind wir beide überhaupt keine Opern-Fans. Aber wir wollen bei unserem Besuch des Opera House auch keinen Arien lauschen, sondern die wunderschöne Architektur bewundern. Strahlend weiße Fassaden aus landestypischem Kalkstein, unterbrochen von unzähligen Rundbögen. Blank polierte Marmorböden (auch draußen!), die in der Sonne funkeln. Orientalische Kronleuchter und kunstvoll verzierte Holztüren. Herrlich bepflanzte Blumenbeete mit blühenden Frangipani-Bäumen. Wir kamen uns vor wie in einem Märchen aus 1001 Nacht und waren schon restlos begeistert, bevor wir überhaupt auch nur einen Fuß ins Innere gesetzt haben.

Und hier kommt der Haken: die Innenräume des Opernhauses kann man nur im Rahmen einer Führung besichtigen. Darüber hatten wir uns leider nicht informiert und waren nun bei unserem Spontanausflug natürlich zur falschen Zeit vor Ort. Bei TripAdvisor gibt es geteilte Meinungen zum Preis-Leistungs-Verhältnis der Führungen, aber die Fotos der Räume sind schon echt beeindruckend!

Auf dem Gelände befindet sich aber auch noch die Opera Mall – und die ist tatsächlich frei zugänglich. Unsere Freude darüber währte allerdings nur kurz, denn abgesehen von den wunderschönen Marmorböden und -wänden mit ihren schmuckvollen Ornamenten ist die Opera Mall eine klassische Shopping Mall mit allerhand Edelboutiquen und Luxusrestaurants, deren Öffnungszeiten offenbar an die Zeiten der Opernaufführungen gekoppelt sind. Jedenfalls waren alle Türen fest verschlossen. Hat uns nicht groß gestört, denn mit Blick auf das Preissegment der Läden wäre für uns sowieso nur Window-Shopping drin gewesen. Also sind wir einmal schnell hindurch spaziert, haben kostbaren Schmuck und exquisite Kleider bestaunt und uns in unserem Stoffhosen und Flip Flops irgendwie fast ein bisschen fehl am Platz gefühlt. Also fix wieder raus ins Tageslicht!

Apropos Tageslicht: im Dunkeln wird das Opera House übrigens sehr eindrucksvoll beleuchtet (zu besonderen Anlässen auch mal in quietschbunten Farben). Davon konnten wir uns selbst überzeugen, als wir eines Abends auf der Sultan Qaboos Street daran vorbei gefahren sind. Sieht auf jeden Fall auch sehr interessant aus, wir würden aber jederzeit wieder im Hellen herkommen – schon allein der hübschen Gärten wegen.

Und wieder einmal haben wir gemerkt, dass es oft gar nicht kilometerlanger Touren bedarf, um neue, spannende Orte zu entdecken. Denn die liegen manchmal fast direkt vor der (Haus-)Tür. Man muss nur ein bisschen suchen.

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