[Irland] Sommerurlaub auf Irisch

Der Wecker klingelte. 7 Uhr. Ganz schön früh für einen Urlaubstag. Wir hatten aber auch ganz schön viel vor: 180 Kilometer Küstenstraße warteten auf uns – bekannt als der „Ring of Kerry“. Die eindrucksvollste Panoramaroute Irlands. Also raus aus den Federn! Vorsichtig schielten wir zum Fenster, das mit einem Vorhang verdeckt war. Der große Moment des Tages! Die Chancen standen laut Wetterbericht bei 50:50. Einmal kurz durchatmen, dann schoben wir beherzt den dicken Soff zur Seite – und jubilierten! Strahlend blauer Himmel, nur hier und da ein paar weiße Wölkchen. Jackpot! Nach ein paar Tagen Irlandurlaub wussten wir bereits: das hätte auch ganz anders aussehen können… Schnell machen wir uns fertig für den Tag und rafften unsere sieben Sachen zusammen. Bevor wir ins Auto sprangen, nahmen wir uns noch Zeit für ein ausgiebiges Frühstück. Dann aber nichts wie los!

Nach rund 30 Minuten erreichen wir unseren ersten Stopp: den Strand von Rossbeigh mit seinen wilden weißen Dünen. Um diese frühe Uhrzeit war es herrlich einsam. Perfekt für einen entspannten Strandspaziergang! Als wir uns jedoch umdrehten, traf uns fast der Schlag. Denn während wir uns die ganze Zeit über den herrlichen Sonnenschein vor unserer Nase gefreut hatten, waren hinter unseren Köpfen klammheimlich dunkle Wolken aufgezogen. Ohje! Wieviel Zeit mochte uns wohl noch bleiben? Im Eiltempo liefen wir den Strand auf und ab. Kaum saßen wir wieder im Auto, da fielen auch schon die ersten Tropfen. Vielleicht nur ein kurzer Schauer? Und tatsächlich: bereits 20 Minuten später stoppte der Regen zunächst – und wurde von dichtem Nebel gepaart mit böigem Wind abgelöst. Bei unserem nächsten Halt auf Valentia Island gesellte sich wieder feiner Nieselregen dazu. Aber aufgeben und umdrehen? Nicht mit uns!

Denn natürlich waren wir vorbereitet. Das muss man auch sein, wenn man Sommerurlaub in Irland macht. Während man für andere Destinationen mit Bikini, Flip Flops und Strandkleid bestens ausgestattet ist, muss man für Irland den Koffer mit etwas mehr Bedacht packen: kurze Hosen und T-Shirts für die wärmeren Tage, lange Jeans und Pullis für die kälteren. Sneaker statt Sandalen, am besten vorher nochmal ordentlich imprägniert. Und auf keinen Fall die Regenjacke vergessen! Die hat uns tatsächlich den einen oder anderen Ausflug gerettet, der sonst buchstäblich „ins Wasser gefallen“ wäre.

Wer eine Sonnengarantie braucht, der ist in Irland definitiv falsch. Wer sich hingegen von (gelegentlichem) Regen und Wind nicht die Laune verderben lässt, findet in der grünen Insel das perfekte Reiseziel! Traumhafte Landschaften warten darauf, entdeckt zu werden. Einzigartige Naturwunder wie die rauen Cliffs of Moher oder der geheimnisvolle Giants Causeway finden sich gefühlt hinter jeder Straßenbiegung. Unzählige Burgen wie der imposante Rock of Cashel oder das sagenumwobene Blarney Castle erzählen Geschichten längst vergangener Tage. Elegante Herrenhäuser wie das Bantry House oder das Westport House verzaubern ihre Besucher mit prächtigen Gartenanlagen und prunkvoller Inneneinrichtung. Reizvolle Städte wie das lebhafte Galway oder das malerische Sligo laden zu ausgiebigen Spaziergängen ein, die man ganz hervorragend in einem der unzähligen, urgemütlichen Pubs ausklingen lassen kann. Dazu kommt noch dieser Hauch von Mystik, der irgendwie überall in der Luft liegt (unzähliger Hochkreuze und prähistorischer Grabbauten sei Dank). Irland versprüht einen Charme, dem man sich nur schwer entziehen kann.

Wir haben uns zwei Wochen Zeit genommen, um das Land ausgiebig zu erkunden. Mit dem Mietwagen geht das ganz problemlos – trotz des Linksverkehrs, an den man sich ziemlich schnell gewöhnt hat. Gestartet sind wir in Dublin (das uns überraschenderweise gar nicht so gut gefallen hat, wie wir es im Vorfeld vermutet haben). Von dort aus haben wir uns gegen den Uhrzeigersinn vorgearbeitet. Dundalk, Belfast, Omagh, Donegal, Sligo, Clifden, Galway, Dingle, Killarney, Cork, Kilkenny, Carlow, Dublin – und ganz viele kleine Orte dazwischen. Nur die südöstliche Küste rund um Wexford haben wir ausgelassen, dafür fehlte irgendwie die Zeit.

Rund 3.000 Kilometer haben wir zurück gelegt. Klingt ganz schön viel, oder? Ist es auch. Aber bereut haben wir die Fahrerei nicht ein einziges Mal. Der Weg ist das Ziel. Nirgendwo passt dieser Spruch so gut wie in Irland. Die wunderschönen Routen haben uns mehr als einmal die Sprache verschlagen. Ob auf dem berühmten Wild Atlantic Way entlang der spektakulären Westküste, auf der malerischen Sky Road durch die wild-herbe Landschaft Connemaras oder auf den abenteuerlich gewundenen Bundesstraßen durch die grünen Sperrin Mountains, Nordirlands größte Bergkette – Autofahren macht Spaß, nicht nur für den Beifahrer. (Außer man hat ein überdimensionales deutsches Wohnmobil mit Schneckentempo vor sich, das man auf den teils doch recht schmalen und kurvigen Straßen kilometerlang nicht überholen kann. So passiert auf dem Ring of Kerry. Hat uns tatsächlich ein paar Nerven gekostet.)

Übernachtet haben wir größtenteils in kleinen B&Bs oder Pensionen (gefunden über booking.com) und dabei haben wir wirklich einige Schätzchen entdeckt. Ins wunderschöne Dollardstown House im County Kildare wären wir am liebsten direkt eingezogen, die herzlichen Besitzer haben uns den Aufenthalt zusätzlich versüßt. Im luxuriösen Himmelbett des gemütlichen Adare Country House haben wir genächtigt wie die Könige und hatten gleichzeitig eine tolle Ausgangsbasis zur Erkundung des schmucken Städtchens Adare. Was für uns aber fast noch wertvoller war: der persönliche und freundliche Kontakt zu den Inhabern! Da kann wirklich kein Hotel der Welt mithalten! Dank eines tollen Tipps unseres Gastgebers in Larne haben wir abends ganz vorzügliche Burger genossen – in einem ziemlich abgerockten Schuppen, in den wir sonst wohl nie einen Fuß gesetzt hätten. Außerdem hat er uns mit einem kleinen Trick viel Eintrittsgeld bei einer von Irlands Top-Sehenswürdigkeiten gespart. Und ohne den netten Plausch mit unserer Gastgeberin in Salthill hätten wir glatt den hübschen Bunratty Folk Park verpasst. Oft sind es eben auch die Menschen, die ein Land noch bereisenswerter machen.

Und das Wetter? Tja, das hätte uns tatsächlich schlimmer treffen können. Ein paar Regenschauer in Nordirland (dank derer es am Giant´s Causeway angenehm leer war) und in Galway, eine ziemlich trübe Rundfahrt durch die Sperrin Mountains und zwei recht ungemütliche nass-vernebelt-windige Tage in Dingle und auf dem Ring of Kerry. Ansonsten war es trocken. Mal bewölkt, mal sonnig. Und einmal, da haben wir sogar kurze Hosen getragen. Für uns gab es insgesamt keinen Grund zu meckern. Das ganze schöne Grün auf der Insel kommt ja nicht von ungefähr!

Nunja, wir geben es offen zu: wir sind verliebt! Wie sehr, haben wir gerade wieder beim Schreiben dieser Zeilen gemerkt. Irland hat unser Herz im Sturm erobert. Ginge es nach uns, könnten wir sofort wieder die Koffer packen und hinfliegen. Es gibt noch so viele tolle Orte zu entdecken, dass es bestimmt nicht langweilig werden würde!

 

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