[Nordirland] Ein Ausflug ins Königreich: Unsere Lieblingsplätze im Norden der grünen Insel

Eins vorweg: in Nordirland kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Denn ganz egal, wo man sich gerade befindet – schön ist es überall. Der größte Touristenmagnet ist wohl die Causeway Coastal Route. Kein Wunder, denn die 193 Kilometer lange Küstenstraße zählt zu den beeindruckendsten Straßen der Welt. Auch wir waren sofort hin und weg und mussten uns wirklich zusammen reißen, um nicht alle Nase lang anzuhalten. Doch auch die Gegend südlich von Belfast kann sich definitiv sehen lassen. Unbedingt ausreichend Zeit einplanen, denn das kleine Nordirland hat unglaublich viel zu bieten! Wir haben fünf Lieblingsorte gefunden, an denen es uns besonders gut gefallen hat.

Bloody Bridge

Die Bloody Bridge war eine reine Zufallsentdeckung – einem dezenten Hinweisschild und einem verhältnismäßig großen Parkplatz sei dank. Unser Reiseführer hat nämlich kein Sterbenswörtchen darüber verloren, dass sich gut 5 Kilometer südlich von Newcastle, direkt an der A2, ein so spannender Ort verbirgt. Wie der Name schon vermuten lässt, ranken sich um die Bloody Bridge und den gleichnamigen Fluss (Bloody Bridge River) viele traurige Geschichten und Legenden. Die bekannteste erzählt von einem schlimmen Massaker im 16. Jahrhundert, bei dem das Blut der Opfer den Fluss rot gefärbt haben soll. Kein schöner Gedanke, den man aber beim Anblick der atemberaubenden Landschaft zum Glück schnell wieder vergessen hat. Um diese zu erkunden gibt es zwei Möglichkeiten. Der gut begehbare „Coastal Path“ führt vom Parkplatz aus entlang der Küstenlinie bergab in Richtung Meer und gibt dabei fantastische Blicke auf die schroffen Klippen frei. Vogelliebhaber werden hier voll auf ihre Kosten kommen, denn in der Luft ist allerhand los. Früher haben übrigens Schmuggler diesen Pfad gern genutzt, um ihre Waren vom Strand über die Berge zu transportieren. Das macht das Ganze doch gleich noch ein bisschen interessanter. Der „River Walk“ führt vom Parkplatz aus ins Landesinnere über sanfte Hügel durch eine weitgehend trockene Heidelandschaft. Auch hier waren vor etlichen Jahren Schmuggler unterwegs, denn der Weg ist Teil der alten Schmuggler-Route „Brandy Pad“, über die neben Kaffee und Tabak auch so manche Flasche Hochprozentiges ins Land gebracht wurde. Beide Routen (Coastal Path und River Walk) sind etwa einen Kilometer lang, auf gleichem Wege gelangt man anschließend wieder zum Parkplatz zurück. Sehr lohnenswerte Spaziergänge!

Dundrum Castle

Gar nicht weit weg, etwa 7 Kilometer nördlich von Newcastle, befindet sich die Ruine des Dundrum Castle aus dem 12. Jahrhundert. Und auch wenn die Burgruine vielleicht nicht die imposanteste ihrer Art ist, so macht doch vor allem die einmalige Lage hoch über der Dundrum Bay den Reiz dieses Ortes aus. Der Ausblick vom Turm ist einfach großartig! Einen besseren Platz hätte sich der anglonormannische Eroberer John de Courcy gar nicht aussuchen können, um den Zugang nach Lecale zu kontrollieren. Schade, dass von den alten Mauern nur noch so wenig übrig ist. Dennoch haben wir uns ausgiebig Zeit genommen, um das Gelände zu erkunden. Dundrum Castle ist mit Sicherheit kein Ort, an dem man sich stundenlang aufhält. Aber einen kleinen Zwischenstopp ist es allemal wert. Vor allem dann, wenn man so eine interessante Ruine mal ganz für sich allein haben will! Denn überraschenderweise waren wir mal wieder die einzigen Besucher vor Ort.

Belfast Castle

Belfast ist ganz nett, hat uns allerdings nicht unbedingt von den Socken gehauen. Das eigentliche Highlight der Stadt befindet sich aber auch nicht im wuseligen Zentrum, sondern etwa außerhalb, gut versteckt auf einem grünen Hügel. Das heutige Belfast Castle stammt aus dem 18. Jahrhundert und ist übrigens Version Nummer 3 des Schlosses von Belfast (das erste Schloss wurde durch ein größeres, stabileres ersetzt und das zweite Schloss ist abgebrannt). Für die Erbauung des dritten Schlosses wählte der 3. Markgraf von Donegall die wunderbare Lage auf dem Cave Hill. Für Fans opulenter Inneneinrichtungen wird das Belfast Castle vielleicht eine Enttäuschung sein (ein Blick hinein lohnt sich trotzdem), aber dafür ist die Gartenanlage umso interessanter. Neun Katzen sind hier versteckt – und das nicht etwa aus Zufall! Eine Legende besagt, dass das Schloss von Belfast sicher ist, solange es dort eine Katze gibt. Aber warum auf eine einzelne Katze vertrauen? Mit neun Fellnasen ist man eben neunmal so sicher. Nach ein bisschen Suchen haben wir sie alle entdeckt – mal als überdimensionale Buchsbaumfigur im Beet, mal als ziemlich unscheinbares Relief in der Rückenlehne einer Bank. Bestimmt auch für Kinder eine tolle Abwechslung!

An sonnigen Tagen kann man außerdem wunderbar auf einer dieser Bänke entspannen und den Ausblick auf Belfast genießen. Wem mehr nach Bewegung zumute ist, der kann den angrenzenden Cave Hill County Park auf zahlreichen Wanderwegen erkunden. Wir waren zu faul dafür.

NorthernIreland_BelfastCastle

Die Aussicht vom Schlossgarten ist fantastisch!

Giant’s Causeway

Schon klar: Der Giant’s Causeway ist längst kein Geheimtipp mehr! Täglich kommen Hunderte von Besuchern aus aller Welt nach Bushmills, um die eindrücklichen Gesteinsformationen und die atemberaubende Natur mit eigenen Augen zu sehen. Aber lasst euch von den Besuchermassen nicht abschrecken, denn der Giant’s Causeway gehört in Nordirland ganz unbedingt zum Pflichtprogramm!

Vom Besucherparkplatz führt eine asphaltierte Straße direkt hinab zu den rund 40.000 sechseckigen Basaltsäulen, die vor über 60 Millionen Jahren durch einen Lavastrom nach einer Vulkanerruption entstanden sind. Behauptet zumindest die Wissenschaft. Natürlich hat Irland im Gegenzug auch hier eine passende Legende parat. Der Riese Fionn MacCumhaill baute den Causeway als eine Art Straße, um seine Freundin auf der Hebrideninsel Staffa zu besuchen. Welche Entstehungsgeschichte man nun lieber glauben mag, ist jedem selbst überlassen. (Wenn man erstmal vor diesem Naturwunder steht, scheint die Riesengeschichte gar nicht mehr so unglaubwürdig…)

NorthernIreland_GiantsCausway

40.000 Basaltsäulen (wir haben nicht nachgezählt).

Wir hatten Glück im Unglück. Als wir unser Auto parkten, regnete es in Strömen. Während wir – mit Schirm bewaffnet – mutig losliefen, kamen uns immer mehr finster dreinblickende Menschen entgegen, die Kapuzen der Regenponchos tief ins Gesicht gezogen. So leicht geben wir nicht auf! Fast waren wir am Ziel. Und dann passierte genau das, was eben so typisch irisch ist: der Himmel riss auf und die Sonne tauchte die vor uns liegenden Basaltsäulen in ein ganz magisches Licht. Die Gelegenheit nutzen wir natürlich, um fast mutterseelenallein auf der langen Felsplatte herumzuklettern. Als es langsam wieder voller wurde, entschieden wir uns für den Rückzug. Statt wieder die Asphaltstraße zu nehmen, ließen wir den Causeway links liegen und liefen ein Stückchen weiter Richtung Osten bis zum Shepherd’s Pass, der uns über 162 Stufen hoch auf die Klippen führte. Denn dort oben befindet sich eine weitere spektakuläre Felsformation: die Giant’s Organ Pipe! Nass glänzten die riesigen Basaltsäulen in der Sonne. Sehr beeindruckend! Anschließend sind wir hoch oben entlang der Klippen mit toller Aussicht auf den Causeway zurück zum Besucherzentrum geschlendert. Insgesamt ein wirklich lohnenswerter Spaziergang, der auch die teure Parkgebühr (gleichzeitig Eintrittsgebühr zum Besucherzentrum) wieder wett macht. Im Internet finden sich mittlerweile aber auch viele Tipps, wie man sich die Gebühren gänzlich sparen kann.

Sperrin Mountains

Die Sperrin Mountains sind ein grünes Paradies im Südwesten von Nordirland. Unzählige Wanderwege führen kreuz und quer durch die wildromantische Bergregion. Auch wir wären gerne zu Fuß auf Erkundungstour gegangen. Doch als wir morgens in Omagh aus dem Fenster schauten, regnete es Bindfäden – mit keinerlei Aussicht auf Besserung. Glücklicherweise hielt unser Reiseführer eine nette Autoroute für eine Halbtagesrundfahrt bereit, so dass wir spontan umplanen konnten. Von Omagh sind wir in nördliche Richtung der B48 gefolgt und über Gortin bis nach Plumbridge gefahren. Dort sind wir auf die B47 nach Cranagh abgebogen, wo wir dann wieder den Weg gen Süden nach Scotch Town eingeschlagen haben. Mit einem Umweg über Monanameal sind wir anschließend wieder in Omagh gelandet. Eine schöne Tour in einer noch viel schöneren Landschaft. Richtig nennenswerte Highlights gab es zwar unterwegs nicht zu sehen, aber dafür unzählige Schafe und unglaubliche Aussichten. Wer Einsamkeit liebt, ist hier goldrichtig. Die anderen Autos, die uns begegnet sind, können wir an einer Hand abzählen. Mag vielleicht am grauen, nasskalten Wetter gelegen haben. Vielleicht sind die Sperrin Mountains aber auch eine der letzten Ruheoasen im immer touristischer werdenden Nordirland.

Übernachten in Nordirland

Um Nordirland in seiner ganzen Vielfalt auch richtig erleben zu können, muss man ausreichend Zeit mitbringen. Zwei bis drei Tage sind das Minimum, wenn man nicht nur von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit hetzen will. Falls ihr noch auf der Suche nach einem gemütlichen Schlafplatz seid, können wir euch das Derrin Guesthouse in Larne und das Golden Hill Guesthouse in Omagh sehr ans Herz legen. Wir wurden jeweils ganz herzlich empfangen, haben wunderbar genächtigt und sind mit einem leckeren Frühstück perfekt in den Tag gestartet. Beide Orte sind außerdem ideale Ausgangspunkte für eine Menge toller Ausflüge.

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