[Irland] In einem Dorf aus anderer Zeit: Bunratty Folk Park

Freilicht-Museumsdörfer sind nicht Jedermanns Sache. Es gibt schwarz oder weiß. Man kann ihnen so gar nichts abgewinnen, findet sie furchtbar kitschig, absolut künstlich. Oder man liebt sie, schätzt die liebevolle Inszenierung und die vielen hübschen Details. Geschichte zum Anfassen, ein kurzer Ausflug in eine längst vergangene Zeit. Wir gehören definitiv zur zweiten Fraktion, sind große Museumsdorf-Fans (sofern sie authentisch sind). Deswegen freuten wir uns umso mehr, als unsere Gastgeberin in Galway vom Bunratty Folk Park erzählte und uns nahe legte, dort UNBEDINGT anzuhalten.

Na das lassen wir uns doch nicht zweimal sagen! Und praktischerweise war am Ende unserer Tour durch den Burren Nationalpark mit Stippvisite an den Cliffs of Moher noch ein bisschen vom Tag übrig.

Einmal 200 Jahre zurück!

Der Bunratty Folk Park liegt an der Lower Road im gleichnamigen Ort Bunratty zwischen Limerick und Ennis. Über 30 originalgetreu nachgebaute Häuser warten darauf, besichtigt zu werden. Auch das Bunratty Castle ist Teil des Museumsdorfes. Bei unserem Besuch war es wegen einer Veranstaltung geschlossen. Schon schade, aber andererseits hat es uns ein paar Euro des ohnehin nicht ganz günstigen Eintritts gespart. (Und die eine oder andere Burg hatten wir ja sowieso schon besichtigt.)

BunrattyFolkPark_Castle

Das Bunratty Castle konnten wir nur von außen sehen. Es gehört heutzutage mit zum Folk Park.

Mit einem Übersichtsplan bewaffnet betraten wir das Areal. Und sofort war es um uns geschehen! Reetgedeckte Häuser reihen sich aneinander, mal klassisch weiß gestrichen, mal leuchtend blau oder pink. Drinnen sieht es aus, als hätten die Bewohner hier vor 200 Jahren einfach alles stehen und liegen gelassen. Vor dem rustikalen Holzbett stehen die Stiefel ordentlich nebeneinander. Auf dem Esstisch ist alles eingedeckt für einen gemütlichen Sonntagskaffee. Wir atmeten einmal tief ein: roch es hier etwa nach Kaminfeuer? Die Liebe zum Detail hat uns schlichtweg begeistert! Vor den Türen ein ähnlich Bild: hier ein hübsch bepflanzter Bauerngarten, dort eine alte Wäschemangel. Alles wirkte irgendwie echt.

Die anschauliche Village Street ist das Herz des Dorfes. Hier gibt es alles, was es zum Leben braucht: einen Lebensmittelladen, einen Gemischtwarenladen, einen Pub, ein Postamt und viele weitere Geschäfte. Auch eine Schule und ein Arzthaus dürfen natürlich nicht fehlen. Alles kann betreten und besichtigt werden. Die Häuser wirken eine Spur moderner, Reet ist weitestgehend steinernen Dachziegeln gewichen. Das tut der Authentizität aber keinen Abbruch. Als wir einen Blick ins Schulgebäude warfen, rechneten wir fast damit, dass uns gleich der Pausenklingel folgend eine Horde lärmender Kinder entgegen strömt. Aber das Klassenzimmer lag ausgestorben da. In anderen Gebäuden war dafür deutlich mehr los. Mitarbeiter des Museumsdorfes backten Brot, strickten, zeigten ihre Künste an der Töpferscheibe – natürlich alles in traditioneller Kleidung. Dabei beantworteten sie geduldig jede Frage von uns Besuchern.

Am nördlichen Ende des Parks befindet sich das Bunratty House. 1804 im gregorianischen Stil erbaut ist das elegante Gebäude auch heute noch ein wahrer Blickfang. Hier lebten einst die Studdarts, die letzten Besetzer des Bunratty Castle. Der angrenzte Walled Garden ist klein, aber fein und natürlich top gepflegt. Er diente übrigens auch schon früher nur zur Zierde, Gemüse und Co. zur Versorgung der Bewohner wurden im großen Garten direkt am Schloss angebaut. In den Ställen gleich neben dem Haus ist ein Sammlung altertümlicher Landwirtschaftsmaschinen untergebracht.

Ginge es nach uns, hätten wir noch ewig durch den Folk Park streifen können. Aber die Tore schlossen bald und so machten wir uns nach gut einer Stunde langsam wieder auf den Rückweg zum Ausgang. Es gibt übrigens in regelmäßigen Abständen auch ein mittelalterliches Bankett im Bunratty Castle. Hätten wir das mal eher gewusst…

So sind wir dann eben wie geplant weiter nach Adare gefahren. Wenn ihr in der Gegend übernachten wollt, können wir euch dieses schmucke Örtchen nur als Herz legen! Mit all seinen hübschen Häuschen und akkurat bepflanzten Vorgärten gilt es als schönstes Dorf in Irland. Für das leibliche Wohl wird in ein paar gemütlichen Restaurants gesorgt, die übrigens abends ziemlich voll sein können. Übernachten könnt ihr ganz vorzüglich im stilvollen Adare Country House. Wir haben uns in dem großen Zimmer mit Himmelbett und knarzendem Holzfußboden jedenfalls sofort wohl gefühlt.

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