[Irland] A Rainy Day in Kerry

Schon klar: Regen gehört zu Irland dazu! Das ganze saftige Grün der Insel kommt ja nicht von ungefähr. Und normalerweise haben wir auch überhaupt kein Problem damit, einen Regenschirm aufzuspannen. Durch ein bisschen Nass lassen wir uns doch die Laune nicht vermiesen! Aber musste DAS sein? Nieselregen gepaart mit dichtem Nebel – ausgerechnet auf Irlands angeblich schönster Panoramastraße!

Dabei sah es morgens noch ganz vielversprechend aus. Strahlender Sonnenschein, nur hier und da ein Wölkchen am sonst ausnahmslos blauen Himmel. Angenehme Temperaturen um die 20 Grad. Könnte theoretisch ein schöner Tag werden. Doch wir wähnten uns nicht in Sicherheit. Nach gut eineinhalb Wochen Roadtrip wussten wir bereits: nichts ändert sich so schnell wie das Wetter. Deswegen brachen wir zeitig in Killarney auf, wollten jede Minute Sonne nutzen, die der Ring of Kerry für uns übrig hat.

 Wir entschieden uns, die 180 Kilometer antizyklisch zu befahren. Natürlich mindert das nicht die wahnsinnige Zahl der anderen Touristen, die mit uns in dieser schönen Landschaft unterwegs waren. Doch als wir später auf halber Strecke die Blechlawinen sahen, die uns entgegen kamen, wussten wir, dass wir richtig lagen mit unserer Hoffnung auf ein zumindest halbwegs zügiges Vorankommen ohne endlose Wohnmobil-Kolonnen.

Also war unser erster Halt der Strand von Rossbeigh. Wir parkten das Auto und spazierten durch den glänzend nassen Sand. Vor uns lag der tosende Atlantik, neben uns erstreckten sich die grünen Hügel von Kerry – eine herrliche Kulisse, die wir zu dieser frühen Stunde nur mit wenigen anderen Besuchern teilen mussten. Als wir uns langsam wieder zurück zum Auto wandten, traf uns fast der Schlag. Hinter unserem Rücken waren in den letzten Minuten klammheimlich dunkle Wolken aufgezogen, die nichts Gutes verheißen ließen. Noch beteten wir, dass sie nur einem kurzen Schauer ankündigen mögen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Begleitet von den vorerst letzten Sonnenstrahlen setzten wir unseren Weg fort.

Von Sonne zu Regen in unter 10 Minuten – das schafft nur Irland!

Nachdem wir die nächsten paar Kilometer noch trockenen Reifens zurücklegten, kam es, wie es kommen musste: Regen. Und zwar nicht der erhoffe kurze Wolkenbruch, sondern feiner Nieselregen, von dem wir genau wussten: der wird bleiben! Dank des Windes kam er natürlich von allen Seiten. Passend dazu zog Nebel auf. Na bravo! Aber noch ließen wir uns die Laune nicht verderben! Im Auto saßen wir trocken und bei unserem nächsten Stopp passte das umgeschlagene Wetter tatsächlich gut ins Bild. Das Ballycarbery Castle in der Nähe von Cahersiveen lag einsam auf einem weiten Feld. Der Nebel verlieh der ganzen Szene eine magische, fast gespenstische Atmosphäre. Es war deutlich kälter geworden. Vorsichtig näherten wir uns. Mit jedem Schritt wurden mehr Details sichtbar. Hier eine steinerne Treppe, dort ein dunkler Gang. Stellenweise war die alte Ruine über und über mit Efeu bewachsen. Kurz überlegten wir, ob wir es wagen sollten, eine der verfallenen Treppen zu erklimmen. Aber dank der dichten Suppe um uns herum hätten wir wohl eh nicht viel sehen können. Und so langsam merkten wir, dass Nieselregen dann eben doch nass macht, auch wenn man es erst nicht wahrhaben will. Schuhe, Hose und Jacke waren ganz schön durchweicht. Zurück im Auto drehten wir erstmal die Heizung auf, bevor wir weiter fuhren.

Als nächstes stand Valentia Island auf dem Programm. Mittlerweile regnete es Bindfäden! Wir überlegten kurz: Sollen wir wirklich? Valentia Island ist nämlich in erster Linie bekannt für seine wunderschöne Natur – und die würden wir dank des Wetters wohl kaum genießen können. Aber wenn man schon mal da ist… Also fuhren wir über die schmale Dammstraße und weiter hinaus auf die Insel. Von der wunderschönen Natur sahen wir… nichts. Alles war grau in grau. In Knights Town angekommen retteten wir uns erstmal in die hübsche Pod Crêperie (mit integriertem Gift Shop) und gönnten uns einen süßen Snack. Als wir nach einer halben Stunde wieder vor die Tür traten, erlebten wir das Unglaubliche: es hatte aufgehört zu regnen. Und zwar komplett! Der Nebel waberte zwar immer noch ordentlich, aber es war trocken! So konnten wir die beeindruckenden Steilklippen und die einsamen Strände des Inselchens doch noch näher in Augenschein nehmen. Wir parkten das Auto nahe des Telegraphic Fields – dem Ort, der ab 1857 europäischer Endpunkt des ersten Transatlantikkabels war. Die erste dauerhafte Kommunikationsverbindung nach Nordamerika! An klaren Tagen genießt man hier einen wunderbaren Ausblick auf die Küste. Heute war dieser – sagen wir mal – ziemlich eingeschränkt. Ein Stückchen weiter südwärts beobachteten wir fasziniert eine Handvoll Kajak-Fahrer, die es mutig mit den Wellen aufnahmen. Hier wäre der perfekte Ort für einen Strandspaziergang gewesen. Aber so langsam mussten wir uns eingestehen: es war absolut ungemütlich draußen. Der Wind fegte uns um die Ohren, der Nebel kroch durch jede noch so kleine Öffnung unserer Kleidung. Wir kletterten zurück in den Schutz des Autos und setzten unsere Fahrt fort.

Wie Sie sehen, sehen Sie…nichts!

Der Nebel wurde immer dichter. Von wegen Panoramastraße! Auf dem Coomakista Pass, der normalerweise eine grandiose Aussicht auf die Skellings verspricht, konnten wir kaum 100 Meter weit gucken. Im Schritttempo krochen wir vorwärts, hatten Mühe, überhaupt die Spur auf der Straße zu erkennen. Frust machte sich breit. Wir hatten so schöne Bilder von Kerry gesehen, mit leuchtendem Grün und strahlendem Blau. Heute lag ein dichter Schleier über all den tollen Farben. Wir hatten so viele Plätze markiert, an denen wir gern noch anhalten wollten. Aber wofür, wenn es eh nichts zu sehen gibt?

Am Staigue Fort versuchten wir es nochmal. Die Beschreibung im Reiseführer klang einfach zu verlockend: ein gut erhaltener Ringwall mit 30 Metern Durchmesser in einem schönen, stillen Tal. Still war es wirklich. Fast schon gespenstisch still. Auf dem Fußweg zum Fort wären wir fast über ein Schaf gestolpert, das plötzlich aus dem Nebel vor uns auftauchte. Es schien genauso erstaunt wie wir: „Was machen denn die Touris hier draußen bei dem Wetter?“ Das fragten wir uns ehrlich gesagt auch. Das Fort war interessant anzusehen. Von den Mauern kann man an klaren Tagen bis zum Meer und den Bergen sehen. Heute sahen wir rein gar nichts. Nach 10 Minuten saßen wir wieder im Auto.

Die Rettung des Tages: Muckross Estate

Kurz vor Killarney wurde der Nebel langsam etwas lichter. Endlich! Die Aussicht vom berühmten Ladies‘ View auf den Upper Lake des Killarney National Park ließ trotzdem noch zu wünschen übrig. Weil wir gestern schon bei deutlichen besseren Wetterverhältnissen hier waren, hielten wir gar nicht erst an. Nur eins konnte den Tag jetzt noch retten: ein Besuch des berühmten Muckross Estates. Auf dem weitläufigen Anwesen befinden sich neben hübschen Rhododendron- und Azaleengärten ein kleiner See und die Ruine der Muckross Abbey. Dazwischen gibt es unendlich viele Möglichkeiten für ausgedehnte Spaziergänge, die an zum Teil riesigen Bäumen vorbei führen. Also unbedingt immer mal wieder auch nach oben gucken! Hauptattraktion ist jedoch ganz klar das Muckross House, ein elegantes Herrenhaus aus viktorianischer Zeit. In seinem Inneren beherbergt es ein Museum für Volkskunst und Landleben. Aber wir waren mal wieder zu spät dran, um noch einen Blick hinein werfen zu können. An unserem Timing müssen wir ganz eindeutig noch arbeiten… So blieb uns lediglich die Möglichkeit, das beeindruckende Gebäude mit all seinen Details von außen zu bewundern. Auch dafür hat sich der Stopp gelohnt! Und die fortgeschrittene Tageszeit hatte ganz klar einen Vorteil: keine Menschenmassen um uns herum. Erfahrungsberichten zu Folge kann es auf dem Anwesen nämlich auch ganz schön voll werden.

Und weil die dunklen Wolken am Himmel bisweilen ganz friedlich ohne weitere Regengüsse vorbei zogen, wagten wir noch einen Abstecher zum Ross Castle, bevor wir nach Killarney zurück kehrten. Der trutzige Burganlage ist zwar nicht unbedingt die interessanteste ihrer Art, aber dafür ist die Lage am malerischen Lough Leane absolut einmalig. Wer früher am Tag hier ist, kann direkt neben der Burg zu einer Bootsfahrt über die Seen des Killarney Nationalparks aufbrechen. Bestimmt ein tolles Erlebnis, für das es an diesem Tag – wie sollte es anders sein – natürlich bereits zu spät war. Nach einer kleinen Verschnaufpause mit schöner Aussicht auf den See machten wir uns dann auf den Weg nach Killarney, wo wir den Tag in einem gemütlichen Pub bei leckeren Burgern und erfrischenden Bier ausklingen ließen – natürlich standesgemäß mit Live-Musik, versteht sich. Nun denn, da hat der verloren geglaubte Tag ja doch noch eine positive Wendung genommen. Irland ist eben immer wieder für eine Überraschung gut.

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