[Schottland] Loch Ness oder Loch Lomond? Wir verraten euch, wo’s schöner ist!

Loch Ness ist so ein Ort, von dem man glaubt, dass man ihn gesehen haben muss, wenn man in Schottland ist. Auch unser Reiseführer wollte uns weismachen, er gehöre ganz unbedingt auf unsere ToDo-Liste. Also waren wir dort, haben uns umgesehen – und können den Hype um den 22 Kilometer langen See und sein vermeintliches Monster nicht so ganz nachvollziehen.

Tristesse an Loch Ness

Fort Augustus am Südende des Sees zum Beispiel wirkte auf uns irgendwie künstlich – als existiere es einzig und allein zu dem Zweck, den ganzen Nessie-Verrückten eine Anlaufstelle zu geben. Massen von Touristen drängten sich durch den kleinen Ort, alle erpicht auf eine der teuren Bootsfahrten, die dort zuhauf angeboten werden. Eigentlich hatten wir einen gemütlichen Spaziergang geplant, wollten ein bisschen am Seeufer entlang bummeln. Nach nicht mal 30 Minuten saßen wir enttäuscht wieder im Auto. Auch auf der 50 Kilometer langen Strecke zwischen Fort Augustus und Inverness gab es kaum interessante Stellen, die uns zum Anhalten bewogen hätten. Ein bisschen Aussicht, ja – das war’s dann aber auch. Vielleicht wäre es auf der anderen Seeseite schöner gewesen? Wir wissen es nicht (und hatten nach der Enttäuschung in Fort Augustus ehrlich gesagt auch keine Motivation mehr, das herauszufinden).

Einziger Lichtblick: Urquhart Castle. Strategisch gut auf einer Landzunge gebaut und somit an drei Seiten von Wasser umgeben besticht die Burgruine vor allem durch ihre imposante Lage. Leider sind von den meisten Gebäuden heute nur noch Mauerreste übrig, aber die vielen Schautafeln vermitteln einen guten Eindruck, wie es hier vor vielen hundert Jahren ausgesehen hat. Vom Bergfried hat man einen wirklich grandiosen Ausblick auf Loch Ness! Der Ruine vorgelagert ist ein kleines Besucherzentrum, in dem unter anderem ein interessanter Kurzfilm über Urquhart Castle und seine Geschichte gezeigt wird. Der Eintritt ist mit knapp 10 € zwar nicht ganz günstig, aber aus unserer Sicht gut investiert, denn es gibt wirklich viel zu entdecken und es macht unglaublich Spaß, zwischen den alten Steinen umherzustreifen.

Für das maximale Burgerlebnis können wir euch einen guten Tipp geben: seid möglichst früh dran, dann könnt ihr mit etwas Glück den größten Besuchermassen entgehen. Wir haben pünktlich zur Öffnung um 09.30 Uhr vor dem Kassenhäuschen gestanden und konnten mit als eine der ersten das Besucherzentrum stürmen. Spontan entschieden wir uns, den Film hintenan zu stellen und erstmal die Ruine zu besichtigen. Das war eine goldrichtige Entscheidung, denn noch war es angenehm leer! Als wir nach unserer ausgiebigen Erkundungstour wieder zurück zum Besucherzentrum liefen, kamen uns unzählige Menschen entgegen. Draußen dann die nächste Überraschung: selbst der Parkplatz war mittlerweile wegen Überfüllung geschlossen. Wir freuten uns, dem Trubel den Rücken kehren zu können. Alles richtig gemacht!

Doch trotz spannender Burgruine fällt unser Gesamtfazit zu Loch Ness ziemlich nüchtern aus: viel Wirbel um nichts (außer ein bisschen Wasser natürlich). Also spart euch die Zeit und fahrt stattdessen lieber zu einem der vielen anderen Lochs, die wirklich einen Besuch wert sind. Zum Beispiel Loch Lomond!

Lieber den größten als den bekanntesten See besuchen!

Mit einer Gesamtfläche von 71 km2 ist Loch Lomond der größte See des Landes. Seit 2002 gehört er zum „Loch Lomond & Trossachs National Park“ – einer einzigartigen Landschaft mit zerklüfteten Bergen, einsamen Seen und ursprünglicher Natur, die ein wenig an die Highlands erinnert. Perfektes Wanderterrain sozusagen! Kein Wunder also, dass der West Highland Way (Schottlands berühmtester Wanderweg) mitten durch diese unglaubliche Kulisse führt. Aber auch für Entdecker mit weniger Zeit oder Kondition gibt es zahlreiche Spaziermöglichkeiten.

Wir haben den kleinen Ort Balmaha am Ostufer als Ausgangspunkt für unsere Erkundungstour gewählt. Sehenswürdigkeiten gibt es dort keine. Und auch sonst sind die Annehmlichkeiten des verschlafenen Nests schnell aufgezählt: ein kleiner Supermarkt, ein Hotel mit angegliedertem Pub und ein kleiner Park mit Seeblick – das war’s. Aber unser Besuch hatte auch einen anderen Grund: wir wollten den gut 2 Kilometer langen „Millenium Forrest Trail“ laufen, der direkt hinter dem Besucherzentrum an der B837 startet und tolle Aussichten auf den See verspricht. Also haben wir die Wanderschuhe geschnürt und los ging’s!

Die ersten paar hundert Meter des schönen Rundwegs führten uns durch ein grünes Waldstück, in dem wir ganz unverhofft einem Reh begegneten. Keine Ahnung, wer überraschter war: wir oder das Tier. Einen Augenblick jedenfalls standen alle ganz reglos da. Dann näherten wir uns vorsichtig, Schritt für Schritt. Noch etwa 10 Meter trennten uns, als dem Reh die ganze Sache offenbar zu brenzlig wurde und es mit großen Sprüngen zwischen den Bäumen verschwand. (Auf etwa halber Strecke sollten wir übrigens auch noch auf einen kleinen Hirschbock treffen, der allerdings schneller weg war als wir gucken konnten. Könnte an dem lärmenden Kind hinter uns gelegen haben…)

Wenig später erreichten wir den See. Wasser hat auf uns irgendwie immer eine magische Anziehungskraft, deswegen konnten wir den hölzernen Steg mit der Aussichtsplattform natürlich nicht links liegen lassen. Einen Moment lang schauten wir den bunten Booten zu, die ruhig auf der Wasseroberfläche schaukelten. Sehr beruhigend! Wieder zurück auf festem Boden liefen wir ein gutes Stück parallel zum Ufer gen Süden, bevor wir der Beschilderung folgend nach rechts wieder in den Wald abbogen. Der Weg führte uns nun kontinuierlich nach oben, hoch auf einen kleinen Hügel. Dort angekommen mussten wir erstmal einmal kurz durchatmen. Für unsere Mühen wurden wir aber mit einer grandiosen Aussicht auf Loch Lomond mit seinen vielen kleinen Inseln belohnt. Absolut herrlich und ein perfekter Foto-Spot! Nach einer entspannten Pause stiegen wir gemächlich wieder bergab und erreichten einen wunderschönen, einsamen Strand, der noch einmal wunderbare Ausblicke auf den See bot. Dicht am Ufer entlang folgten wir anschließend dem schmalen Pfad, der an einem Bootsanleger endete. Von dort aus hätten wir auf direktem Weg über die Asphaltstraße zurück zum Besucherzentrum laufen können. Aber es war erst früher Nachmittag und wir hatten noch einen anderen Plan!

Wir wollten nach Luss – und zwar mit dem Boot, das regelmäßig zwischen Balmaha und dem hübschen Dörfchen am Westufer des Sees verkehrt. Eine Art schwimmender Linienbus sozusagen, nur dass er nicht ganz so häufig fährt. Es empfiehlt sich, vorher im Besucherzentrum die aktuellen Abfahrtzeiten zu erfragen, um längere Wartezeiten zu vermeiden. Wir hatten unseren Spaziergang ganz gut getimed und konnten schon bald das nächste Boot besteigen. Im hinteren Teil fanden wir Platz auf einer der Außenbänke und ließen uns den frischen Fahrtwind um die Nase wehen, während wir an den vielen kleinen Inselchen vorbei düsten.

Nach etwa 20-minütiger Fahrt kletterten wir in Luss von Bord – und stellten sehr zu unserem Bedauern fest, dass wir gar nicht allzu lange bleiben konnten. Bis zur Abfahrt des letzten Bootes hatten wir nur knapp eine halbe Stunde Zeit. Sehr schade, denn Luss ist wirklich ein Schmuckstück: kleine historische Häuschen mit wunderschön bepflanzten Vorgärten und liebevollen Dekorationen reihen sich ordentlich aneinander, dazwischen finden sich vereinzelt auch winzige Läden und gemütliche Cafés. Es gibt unzählige Details zu entdecken – zu viele für unsere begrenzte Zeit. Im Eilschritt liefen wir die schmalen Gassen auf und ab. Versuchten, so viele Eindrücke wie möglich in uns aufzusaugen. Schossen ein Foto nach dem anderen. Und ärgerten uns ein wenig über uns selbst, dass wir die Rückfahrtzeiten nicht nochmal genauer studiert hatten. Denn auch in und um Luss gibt es einige kurze Rundwanderwege, von denen uns besonders der „Slate Quarry Path“ interessiert hätte, der an einer alten Mühle vorbei führt. Theoretisch kann man also locker zwei, drei Stündchen im kleinen Seeort verbringen. Nun gut, beim nächsten Mal sind wir schlauer.

Als wir etwas gehetzt wieder am Bootsanleger ankamen, wartete unser fahrbarer Untersatz dort bereits und brachte uns sicher wieder zurück nach Balmaha, wo wir den Tag mit einem Stück Kuchen ausklingen ließen.

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