[Schottland] Der perfekte Roadtrip: Unterwegs auf Schottlands schönsten Panoramastraßen

Mit durchschnittlich 35 Meilen pro Stunde tuckerten wir Schottlands Straßen entlang. Manchmal, weil es nicht schneller ging. Unzählige „Single Track Roads“ (einspurige Straßen, die aus beiden Richtungen befahren werden – bei Gegenverkehr muss eine Partei in den nächstgelegenen „Passing Place“ ausweichen) und mindestens genauso viele Kurven zwangen uns, das Tempo zu drosseln. Manchmal aber auch, weil wir es nicht anders wollten. Die Landschaft ist wunderschön und wir hatten es überhaupt nicht eilig.

Der eine fuhr, der andere klebte am Fenster. Immer auf der Suche nach besonderen Orten und interessanten Fotomotiven. Nach einer Weile wurde gewechselt. Sollte ja jeder in den Genuss der atemberaubenden Kulissen kommen. Felder, Seen, Wälder und Flüsse zogen an uns vorbei. Wir durchfuhren kleine Dörfer mit hübschen steinernen Cottages, vor denen prächtige Blumen blühten. Schlängelten uns Berge hinauf, um dann, oben angekommen, mit einem fantastischen Ausblick belohnt zu werden. Klingt traumhaft, oder? Aber es ist kein Traum: Willkommen im Roadtrip-Paradies! Autofahren macht in Schottland einfach unglaublich Spaß! Inspirationen gefällig? Hier sind unsere Lieblingsstrecken:

Mehr Aussicht geht nicht: Applecross-Rundfahrt

Unser absolutes Highlight! Die Applecross Peninsula liegt nordöstlich von Skye an der schottischen Westküste und bietet auf 80 Kilometern Fahrspaß der Extraklasse! Ab Lochcarron ging es zunächst ein kurzes Stück über die A896 erst west- und dann nordwärts. Noch nicht sonderlich beeindruckend. Kurz hinter Ardarroch wurde es aber richtig interessant! Von hier führte uns der „Bealach na Ba“-Pass, eine spektakuläre, kurvenreiche Bergstraße mit fantastischen Aussichtspunkten, bis nach Applecross. Ein absoluter Traum! Haltet unbedingt auf halber Strecke am „Bealach na Ba Viewpoint“ an, dort gibt es einen hübschen Wasserfall in großartiger Kulisse zu bestaunen.

Applecross selbst eignet sich prinzipiell gut für eine kleine Mittagspause. Im schön gelegenen „Applecross Inn“ war es uns allerdings ein wenig zu voll, also ging es zügig weiter. Wir folgten der beschaulichen Küstenstraße nach Norden Richtung Fearnmore. Fuhren vorbei an unzähligen wolligen Schafen, die friedlich am Straßenrand grasten. Vorbei an plätschernden Flüssen und glitzernden Seen – zum Teil so versteckt, dass wir sie erst im Rückspiegel sahen und nochmal zurücksetzen mussten für eine kurze Fotosession. Ab Fearnmore ging es südostwärts am Inner Sound entlang nach Shieldaig. Wer Hunger hat, kann dort im „Tigh an Eilean“ einkehren. Wer sich die Beine vertreten will, kann die Mary Street entlang schlendern. Wir verzichteten auf beides, denn wir hatten ein klares Ziel: das „The Torridon“ Restaurant kurz vor dem gleichnamigen Ort, in dem es vorzügliches Essen geben soll. Über die A896 waren wir schnell dort – nur leider zur falschen Zeit. Zu spät für den Mittagstisch, zu früh für ein Abendessen. Schade! Weil uns der Magen nun aber doch langsam in den Kniekehlen hing, sind wir rasch weitergefahren nach Torridon. Dort haben wir uns im „The Torridon Stores & Café“ zwei leckere Stücke Kuchen gegönnt und die Kalorien anschließend bei einem schönen Spaziergang entlang der Küste wieder abtrainiert. Ein perfekter Abschluss für die Applecross-Rundfahrt!

Unterwegs am Ende der Welt: Von Lochailort nach Ardnamurchan

Die Strecke von Lochailort nach Ardnamurchan ist landschaftlich wunderschön und gleichzeitig herrlich einsam. Die rund 75 Kilometer Asphalt mussten wir sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg nur mit einer Handvoll anderer Autos teilen. Ein echter Geheimtipp unter den Panoramastraßen Schottlands! Wundert euch übrigens nicht über die Zeitangabe in Google Maps: die eineinhalb Stunden sind durchaus realistisch, denn hinter Kilchoan wird die Straße sehr schmal und kurvig. In Deutschland stünde hier mit Sicherheit ein „Durchfahrt verboten!“-Schild. (Keine Sorge: Ist aber gut fahrbar.) Auf dem Streckenabschnitt zwischen Lochailort und Salen fuhren wir durch eine vorwiegend hügelige Landschaft mit romantischen Picknickplätzen. Schade, dass wir keine Brotzeit dabei hatten! Ab Salen führte uns die Straße dann entlang des Loch Sunart mit toller Aussicht auf´s Wasser. In Kilchoan haben wir das „Kilchoan House“ für´s Abendessen angesteuert. Eine gute Entscheidung: leckeres Essen in gemütlicher Atmosphäre.

Frisch gestärkt traten wir nun den spannendsten Streckenabschnitt an: die Straße (die man stellenweise kaum noch als solche bezeichnen kann) schlängelte sich durch grüne Wiesen, die zahlreiche Schafe (freilaufend) und Hochlandrinder (eingezäunt) besiedelten. Wir waren uns sicher: gleich erreichen wir das Ende der Welt. Ein bisschen stimmt das ja auch, denn das Ardnamurchan Lighthouse ist zumindest der westlichste Punkt des britischen Festlandes. Lasst euch nicht von der Ampel kurz vorm Ziel beirren. Sie regelt nur die einspurige Zufahrt zum Leuchtturm. Dieser selbst ist zugegebenermaßen nicht besonders beeindruckend. Seine Umgebung dafür aber umso mehr. Absolute Einsamkeit! Kein Geräusch war zu hören – abgesehen vom Heulen des Windes, der tief unter unseren Füßen die Wellen gegen die schroffen Klippen peitschte. Vor uns nichts als die unendliche Weite des Meeres. Plötzlich fühlt man sich ganz klein. Ein kleiner Punkt auf einer großen, wunderbaren Welt. Wir lieben es, wenn Orte so etwas mit einem machen: Verzaubern. Und zum Nachdenken anregen. Wäre es nicht so schrecklich zugig gewesen, hätten wir Ewigkeiten dort stehen können. Im letzten Licht des Tages kehrten wir zurück zum Auto, um die Rückfahrt anzutreten.

Wenn ihr in der Nähe übernachten wollt, dann schaut euch mal das Ardnamurchan Bunkhouse an.  Wir haben dort, mitten im Wald, herrlich gut geschlafen und können es uneingeschränkt weiterempfehlen (auch für Familien mit Kindern).

Der schönste Weg zur Küste: Road to the Isles

Die „Road to the Isles“ ist wohl Schottlands bekannteste Panoramastraße. Sie verbindet Fort William im Landesinneren mit Mallaig an der Westküste (das Tor zur Inselwelt) und führt auf 70 Kilometern durch traumhafte Kulissen. Wir hatten leider ein wenig Pech mit dem Wetter. Es regnete Bindfäden – und das fast den ganzen Tag. Also hieß es für uns: „Road to the Isles“ im Schnelldurchlauf. Eindrücke sammeln aus dem Auto heraus, die Kamera wehmütig auf dem Schoß. Was hätten wir bloß für ein bisschen Sonnenschein gegeben…

Einen Stopp haben wir uns aber dann doch nicht nehmen lassen: Glenfinnan. Ein bedeutsamer Ort für die schottische Clan-Geschichte. Denn ganz in der Nähe rief Bonnie Prince Charlie seine Highland-Clans im September 1745 zu den Waffen. Ein weiterer Kampf um die Unabhägigkeit, der ein tragisches Ende nahm. Wer mehr über diesen Teil von Schottlands Vergangenheit erfahren möchte, ist im Glenfinnan Visitor Centre gut aufgehoben. Wir haben uns den Eintritt gespart, denn das zugehörige Glenfinnan Monument konnten wir auch so besichtigen. Es gibt mit der malerischen Bucht im Hintergrund ein tolles Fotomotiv ab!

Glenfinnan_view

Dieser „Viewpoint“ hat seinen Namen wirklich verdient!

Direkt hinter dem Visitor Centre führt ein schmaler Weg bergauf zu einem tollen Aussichtspunkt auf das Glenfinnan Viadukt. Den „Harry Potter“-Fans unter euch wird diese beeindruckende Brücke bestimmt bekannt vorkommen, denn hier fährt im Film der magische „Hogwarts-Express“ entlang. Und auch dieser ist kein reines Phantasieprodukt. Es gibt ihn wirklich! Wer ganz viel Glück hat und zur richtigen Zeit vor Ort ist, kann den „Jacobite Steam Train“ aus der Ferne beobachten. Bei unserem Besuch hat es immerhin für einen Schnappschuss gereicht. Schon allein dafür hat sich die Fahrt über die „Road to the Isles“ doch gelohnt!

Glenfinnan_Viadukt

Gerade noch erwischt: ein Zug auf dem berühmten Glenfinnan Viadukt.

Eine Portion Highland-Feeling: Glen Coe

Glen Coe zählt zu den dramatischsten Glens Schottlands. Wer dort ist, weiss sofort, warum: mächtige Berge mit schroffen Gipfeln bilden ein wild-romantisches Tal mit zahlreichen Wasserfällen, das ausnahmslos jeden sofort in seinen Bann zieht. Selbst Regen kann der Schönheit dieser Gegend keinen Abbruch tun, davon konnten wir uns selbst überzeugen. Zwei-, dreimal hielten wir an und gingen ein paar Schritte zu Fuß, um dieser unglaublichen Natur noch näher zu sein. Dass wir dabei zum Teil nass bis auf die Knochen wurden machte uns nichts aus. Zu schade wäre es gewesen, all das nur aus dem Auto heraus zu betrachten.

Glencoe_Street

Glen Coe ist auch bewölkt und grau noch wunderschön!

Die A82 verläuft mitten durch die wunderbare Kulisse und verdient die Bezeichnung „Panoramastraße“ völlig zu Recht! Es fällt uns schwer, besonders empfehlenswerte Haltepunkte zu nennen, denn schön ist es definitiv überall. Wir sind einfach unserem Instinkt gefolgt und haben dabei tolle Plätze entdeckt.

Aber einen konkreten Tipp haben wir dann doch noch auf Lager: das „Artisan Café“ gleich neben A85, kurz vor Tyndrum (Strathfillan Church Road, ausgeschildert). In der umgebauten Kirche werden neben Kaffee und Kuchen (ganz vorzüglich!) auch Kaltgetränke und Snacks serviert. Mit integriert: ein kleiner Shop mit allerhand hübschem Krimskrams. Was ein Glück, dass wir einer spontanen Eingebung folgend hier angehalten haben! Solche Orte findet man wirklich nicht überall.

Tyndrum_ArtisanCafe

In diesem Ambiente schmeckt der Kuchen gleich doppelt so gut.

4 Gedanken zu “[Schottland] Der perfekte Roadtrip: Unterwegs auf Schottlands schönsten Panoramastraßen

  1. Fotohabitate schreibt:

    Oh, schön! Ich war letzten Mai/ Juni in Schottland unterwegs und hatte die Applecross-Halbinsel auch im Programm. Den Pass konnte ich leider nicht so genießen, zu voll und daher extrem anstrengend. Das Inn habe ich auch links liegengelassen, aber den Sonnenuntergang mit Blick auf Skye. .. herrlich! LG Simone

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