[Projekt 360] Um die Welt, zu dir selbst: 4 Lektionen, die Laos uns lehrte

Als Igor vom Blog 7kontinente uns fragte, ob wir Teil von seinem „Projekt 360 – Um die Welt, zu dir selbst“ sein wollen, mussten wir nicht lange überlegen! Denn die Idee dahinter ist wirklich großartig: deutschsprachige Reiseblogger berichten über eine Reise in ein Land, das sie persönlich verändert hat. Unsere Wahl fiel binnen Sekunden auf Laos. Unser erstes Mal Südostasien. Unsere erste Rucksackreise. Und die vielleicht größte Neuerung in unserem Reiseleben: nichts vorgeplant oder vorgebucht (mal abgesehen von Hin- und Rückflug sowie einer Unterkunft für die erste Nacht). Spontan wollten wir sein. Einfach unserem Herzen folgen. Was für manchen von euch nach typischem Reisealltag klingt, war für uns eine neue Erfahrung. Ein großer Schritt aus unserer Komfortzone.

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Niemand kehrt von einer Reise zurück, wie er gefahren ist (behauptete auch der britische Schriftsteller Graham Greene). Als wir in Vientiane aus dem Flugzeug kletterten, wussten wir noch nicht, wie viel wir in den nächsten Tagen über uns und das Leben lernen werden. Wussten nicht, wie sehr Laos unsere Sicht auf die Dinge verändern wird. Vor uns lag ein riesengroßes Abenteuer – und wir stürzten uns kopfüber mitten hinein!

Lektion 1: Egal, was kommt – es klappt schon, irgendwie.

Der Durchschnittsdeutsche ist ja grundlegend eher pessimistisch veranlagt. „Das klappt niemals!“ oder „Irgendwo muss es doch einen Haken geben!“ sind seine bevorzugten Denkmuster. In Laos mussten wir uns ganz schnell umorientieren zu „Wird schon schiefgehen!“, sonst hätten wir uns selbst das Leben schwer gemacht. Denn das kleine Land ist bei Weitem nicht so durchorganisiert wie unsere Heimat. Und trotzdem hat alles – Überraschung! – immer irgendwie funktioniert.

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Wir erinnern uns an folgende Situation: Von Vientiane wollten wir mit dem Mini-Van nach Vang Vieng fahren. Die entsprechenden Plätze hatten wir am Vortag telefonisch von unserem Host buchen lassen. Dieser drückte uns wenig später zwei eng beschriebene Schnipsel Papier in die Hand. Das sollen die Tickets sein? Nun gut. Wie angewiesen warteten wir am nächsten Tag pünktlich um 9 Uhr (ok, eigentlich schon um 8.55 Uhr – nur für alle Fälle…) mit Sack und Pack an der Straße. Anfangs geduldig, irgendwann leicht nervös. Weit und breit kein Bus in Sicht. Das bekannte Kribbeln machte sich in der Magengrube breit: „Die haben uns vergessen!“ Kein Grund zur Sorge, versicherte uns unser Host, die kommen schon noch! Recht hatte er. Mit einer halben Stunde Verspätung hielt knatternd ein kleiner Bus vor unserer Nase. Freudig wollten wir einsteigen – und wurden jäh gebremst. Kritisch beäugte der Fahrer unsere „Tickets“, griff zum Telefon und begann, wild auf Laotisch zu diskutieren. Wir verstanden kein Wort. Jegliche Zwischenfrage auf Englisch wurde geflissentlich ignoriert. Uns blieb nichts anderes übrig als abzuwarten. Inzwischen war auch unser Host herbeigeeilt und diskutierte munter mit. Die Minuten verstrichen. Und dann, als sei nichts gewesen, bedeutete man uns einzusteigen. Kurz waren wir verleitet zu fragen, wo jetzt genau das Problem gelegen hätte. Aber im Grunde war es uns egal. Wir saßen im Bus – das war das einzige, was zählte. Und wir hatten eine wichtige Lektion gelernt: Egal, was kommt – es klappt schon, irgendwie. Dieses Credo sollte uns im Laufe der Reise noch durch viele ähnliche Situationen helfen, die zwangsläufig auftreten in einem Land, das so ganz anders tickt als das gewohnte Umfeld. Mittlerweile versuchen wir, ein Stück dieser Gelassenheit auch in unseren Alltag außerhalb des Reisens zu integrieren. Denn das macht das Leben oft deutlich einfacher.

Lektion 2: Es sind die kleinen Dinge, die die größte Freude bereiten.

Irgendwie kommt es uns so vor, als gehe es beim Reisen nur noch darum, das Besondere zu erleben. Den höchsten Berg zu besteigen, den schönsten Strand zu finden, den größten Tempel zu besichtigen, im hipsten Restaurant zu essen. Nicht falsch verstehen: auch wir versuchen natürlich, möglichst viele Highlights in unsere Reisen zu integrieren. Aber manchmal sind es doch gerade die kleinen Alltagsmomente, die sich am tiefsten ins Gedächtnis einbrennen.

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Wenn wir Fotos von unseren schönsten Reisemomenten aus Laos zeigen müssten, wäre auf einem eine simple Coladose zu sehen. Erstanden haben wir diese in einem winzigen Shop mitten im Nirgendwo während unserer Radtour durch Vang Viengs Hinterland. Aber wir müssen noch etwas weiter ausholen: Es war früher Nachmittag. Die Sonne stand hoch am Himmel und wir hatten bereits einige Kilometer auf dem Rad zurückgelegt. Die ganze Strampelei brachte uns ordentlich ins Schwitzen. Unser Wasservorrat (zugegebenermaßen vielleicht etwas knapp kalkuliert) war längst aufgebraucht. Fast schon hatten wir uns damit abgefunden, den quälenden Durst noch ein wenig ertragen zu müssen, da tauchte vor unseren Augen plötzlich eine bunte Holzhütte mit prall gefülltem Kühlschrank auf. Wir konnten unser Glück kaum fassen! Noch nie hat ein Schluck eiskalte Cola so gut geschmeckt! Noch heute, viele Monate nach der Reise, denken wir gern an diesen Augenblick zurück. Er erinnert uns daran, dass wir uns wieder mehr über die kleinen Dinge freuen sollten. Denn dann gibt es im Alltag viel öfter Grund zur Freude.

Lektion 3: Weniger ist manchmal mehr!

Erst kürzlich haben wir wieder die Fotos unserer Neuseeland-Reise durchforstet. Unglaublich, was wir in 3 Wochen alles gesehen und erlebt haben! Dafür war allerdings auch strenge Disziplin notwendig. Immer schön an den Plan halten, bloß nicht trödeln! In Laos wollten wir es anders machen. Wollten tun, wonach uns gerade der Sinn stand. Ganz ohne Zeitdruck im Nacken. Und das war eine goldrichtige Entscheidung.

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Denn in Südostasien mahlen die Mühlen einfach langsamer. Wir hatten schlichtweg unterschätzt, wie lange es manchmal dauern kann, um von A nach B zu kommen. 180 Kilometer in 3 Stunden? Nicht in Laos! Und erst recht nicht, wenn man – so wie wir – mit Bussen unterwegs ist. Dank des Flickenteppichs auf den Straßen kann man locker nochmal 2 Stunden draufschlagen – zuzüglich der obligatorischen 30-Minuten-Pause. Und da die Busse selten pünktlich fahren, kommt natürlich auch noch Wartezeit hinzu. Hätten wir einen Plan für die Reise gehabt, dann hätten wir ihn spätestens nach der ersten Bus-Erfahrung kleinlaut verwerfen müssen. Statt also rastlos von Ort zu Ort zu hetzen, haben wir unsere Reiseroute in Laos auf nur wenige Orte beschränkt: Vientiane, Vang Vieng und Luang Prabang. Und plötzlich… hatten wir Zeit! Für eine Slowboatfahrt auf dem Mekong, für einen Besuch im Elefantenreservat, für einen Sundowner im Dyen Sabai. Wir konnten die Orte wirklich kennenlernen, ihre Atmosphäre in uns aufsaugen. Ankommen – und bleiben. Zumindest für ein paar Tage. Das tat unglaublich gut! So gut, dass wir auch bei unseren künftigen Reisen öfter mal das Tempo drosseln werden – selbst wenn wir dann auf einige Sehenswürdigkeiten verzichten müssen. Weniger ist eben manchmal mehr.

Lektion 4: Manches ändert sich nie – und das ist auch in Ordnung so.

Wir ziehen den Hut vor all denjenigen, die frohen Mutes zu ihrem nächsten Reiseziel aufbrechen können, ohne eine Unterkunft gebucht zu haben. Auch wir haben es versucht. Noch mehr Freiheit auf Reisen. Ein Traum, oder? Aber leider mussten wir feststellen: das ist absolut nicht unser Ding! Als der Bus uns mittags in Vang Vieng ausspuckte, standen wir ziemlich ratlos da. Wohin jetzt? All unsere Mitreisenden schulterten ihre Backpacks und machten sich zielstrebig aus dem Staub. Wir waren hingegen überfordert mit unserer neu gewonnenen Freiheit. In einem Blogbeitrag hatten wir von einem hübschen Hostel jenseits des Flusses gelesen. Also versuchten wir es da zuerst. Voll. Nebenan ein nettes Hotel. Voll. Also zurück auf die andere Flussseite. Hölzerne Bungalows mit Stelzen. Ziemlich gemütlich. Aber keine Fensterscheibe, kein Moskitonetz, kein Ventilator. Kommt nicht in Frage. 60 Euro für ein Zimmer? Viel zu teuer. Wow, Ausblick in den Frühstücksraum. Danke, wir verzichten! So ging es weiter und weiter. Wir latschten quer durch die Stadt. Nach einer Stunde hatten wir die Nase voll und arrangierten uns schließlich mit einem Zimmer, das das Prädikat „schön“ definitiv nicht verdient hat. Immerhin war es halbwegs sauber. Durchgeschwitzt saßen wir auf dem Bett und schworen uns: Das machen wir nie wieder!

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Aber auch solche Erfahrungen müssen sein. Wir finden, man sollte alles einmal ausprobieren. Und manchmal stellt man dann eben fest, dass es bei diesem einen Mal bleiben wird. Es hilft, Routinen zu erkennen, die einem persönlich wichtig sind. Wir brauchen eben die Sicherheit, zu wissen, wo wir abends schlafen werden. Also werden wir auch künftig weiterhin spätestens am Vorabend online eine Unterkunft buchen. Manches ändert sich eben doch nicht – und das ist auch gut so.

War’s das? Noch lange nicht!

Laos hat uns wirklich tief berührt. Ganz besonders die Menschen, die wir während unserer Reise trafen. (Und damit meinen wir nicht die halbstarken Party-Touristen!) Egal ob Restaurantbesitzer, Tuktuk-Fahrer oder Farmer – jeder ist uns mit einem Lächeln begegnet und hatte ein freundliches Wort übrig.

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Kinder, die manchmal nicht viel mehr besaßen als die Kleidung, die sie am Leib trugen, winkten uns fröhlich entgegen. Von dieser positiven Einstellung wollen wir uns eine dicke Scheibe abschneiden. Denn wie der Durchschnittsdeutsche ärgern auch wir uns im Alltag viel zu sehr über Kleinigkeiten. Wir wissen nun, dass wir dankbar sein können für das, was wir haben. Und auch das hilft uns, unsere Reisen noch mehr zu genießen.

Seid ihr neugierig, was die anderen Blogger für Veränderungen während ihrer Reisen erlebt haben? Dann schaut unbedingt auf dem Blog von Igor vorbei. Dort findet ihr alle Artikel verlinkt.

2 Gedanken zu “[Projekt 360] Um die Welt, zu dir selbst: 4 Lektionen, die Laos uns lehrte

  1. Fotohabitate schreibt:

    Ein schöner Bericht, in dem ich mich auch wieder erkannt habe. Als ich vor 20 Jahren Inselhopping auf den griechischen Kykladen gemacht habe, reservierte ich niemals irgendeine Unterkunft vor. Das ist heute anders. In eingen Gegenden mit begrenzten Unterkünften geht das auch gar nicht anders als mit Verbuchung, möchte man nicht irgendwo draußen schlafen. Vielleicht bin ich auch einfach zu alt für so was geworden! 😉

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