[Seychellen] Auge in Auge mit Urzeitriesen: Ein Besuch der Schildkröten-Insel Curieuse

Sie begegneten uns auf den Seychellen immer wieder: Riesenlandschildkröten. Wirklich faszinierende Geschöpfe! Manche von ihnen haben schon weit über 100 Jahre auf dem Buckel – äh, Panzer. Nachdem man sie ihres Fleisches wegen Anfang des 19. Jahrhunderts fast ausgerottet hatte, steht die Schildkröte heute zum Glück unter Naturschutz (so wie alle anderen auf den Seychellen vorkommenden Schildkrötenarten übrigens auch). Weil wir uns nicht damit zufriedengeben wollten, die einzigartigen Urzeitriesen ausschließlich in meist viel zu kleinen Gehegen zu begutachten oder mit etwas Glück mal ein einzelnes Exemplar am Straßenrand zu erspähen, entschieden wir uns für einen Ausflug zur Insel Curieuse. Denn dort gibt es ein großes Schutzgebiet für eine Kolonie von Riesenlandschildkröten, in der sich Mensch und Tier unter strenger Aufsicht kennenlernen können.

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Bei Ankunft stolpert man quasi sofort in die Aufzuchtstation.

Das knapp 3 Quadratkilometer große Eiland liegt nur wenige Kilometer vor Praslins Küste und ist von der Anse Volbert gut im Rahmen eines (Halb-)Tagesausflugs zu erreichen. Die Überfahrt mit dem Boot dauert in etwa 20 Minuten. Am Strand buhlen etliche Tourenanbieter um die Gunst der Urlauber. Gar nicht so einfach, da die richtige Wahl zu treffen. Wir wurden etliche Male angesprochen: „Madame, Sir! Curieuse?“ Natürlich sollten wir immer jetzt sofort buchen, dann könne man uns einen Sonderpreis anbieten. Und wer weiß, ob später überhaupt noch Plätze für den morgigen Tag frei wären! Aber wir ließen uns nicht beirren und schauten uns in Ruhe um. Schließlich hörten wir auf unser Bauchgefühl und wählten einen Anbieter, der uns mit seiner freundlich-zurückhaltenden Art am meisten überzeugte. Wir buchten einen Halbtagesausflug mit Schnorchelstopp an dem winzigen Inselchen St. Pierre (obligatorisch). Das gegen Aufpreis angebotene kreolische BBQ am Strand von Curieuse schlugen wir allerdings aus (und waren wohl die einzigen mit dieser Entscheidung, wie wir später feststellen sollten).

Curieuse_Turtle2

Die Riesenlandschildkröten haben ihren Namen wahrlich verdient.

Voller Vorfreude erschienen wir am nächsten Tag zur bestellten Zeit am bestellten Ort. Nach kurzem Warten konnten wir zusammen mit einigen anderen Ausflüglern das bereitstehende Boot besteigen. Keine Selbstverständlichkeit, wie wir später erfahren sollten. Manche Anbieter lassen ihre Gäste auch gerne mal für eine Stunde ohne jegliche Information am Strand sitzen, bevor es losgeht. Nicht so bei uns. Wir wurden zügig über’s Meer zur Baie Laraie geschipperte. Dort angekommen teilte man uns mit, dass wir in etwa 3 Stunden an der Anse St. José wieder abgeholt werden würden. Die BBQ-Teilnehmer hatten sich etwa eine Stunde früher dort einzufinden.

Curieuse_Turtle

Posieren mit den etwas in die Jahre gekommenen schuppigen Models.

Wir steuerten natürlich als erstes die Schildkrötenkolonie an, die sich praktischerweise direkt an der Baie Laraie befindet. Rund 30 Tiere zählten wir verteilt auf der großen Wiese. Ihre Artgenossen versteckten sich vermutlich im Schatten der umliegenden Büsche vor der heißen Mittagssonne. Oder machten die Insel unsicher. Sie können sich nämlich weitgehend frei bewegen. Es war unglaublich spannend, die Schildkröten aus nächster Nähe zu beobachten. Wahnsinn, wie groß sie sind! Eine ausgewachsene, männliche Riesenlandschildkröte kann bis zu 250 Kilogramm auf die Waage bringen, ihr Panzer ist im Durchschnitt etwa einen Meter lang. Dagegen wirkt der faltige Kopf mit den dunklen Augen fast unterdimensioniert. Die Tiere sind unglaublich zutraulich und können theoretisch sogar gefüttert werden. Leider standen bei unserem Besuch keine Futter-Blätter mehr bereit. Schade – aber es tat unser Begeisterung keinen Abbruch. Aufgeregt wie kleine Kinder liefen wir von Schildkröte zu Schildkröte und konnten gar nicht nachvollziehen, warum sich die meisten Besucher schon nach ein, zwei schnellen Fotos wieder aus dem Staub machten. Doch irgendwann mahnten auch wir uns zum Aufbruch. Denn wir hatten keine Ahnung, wie lange wir bis zur Anse San José brauchen würden. Vermutlich hatte der Bootsführer irgendetwas dazu gesagt, aber wir hatten nur Augen für die Schildkröten. Also stiefelten wir los.

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Einen weiten Teil des Weges bestreitet man auf Holzplanken.

Der nicht zu verfehlende Weg führte uns zunächst auf Holzstegen durch einen hübschen, grünen Mangrovenwald. Wir drosselten das Tempo und schauten den vielen, flinken Krebsen zu unseren Füßen zu, die eifrig ihrer Arbeit nachgingen. Anschließend folgten wir einem schmalen Pfad durch dichte Inselvegetation.

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Von den kleinen Hügeln kann man die vielen Strände bewundern.

Gerade als wir so richtig in Schwung waren, tauchte zwischen den Bäumen plötzlich das „Doctor’s House“ auf. Es markierte den Endpunkt unserer Wanderung. Wir hatten die Anse San José erreicht – deutlich schneller als erwartet. Und nun? Prüfend warfen wir einen Blick auf die Uhr: noch eineinhalb Stunden bis zur Rückfahrt.

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Die frühere Lepra-Kolonie ist heute ein kleines Museum.

Das „Doctor’s House“ (übrigens Überrest einer ehemaligen Lepra-Kolonie, die bis 1965 existierte) und die darin befindliche Ausstellung zu Flora und Fauna beschäftigten uns für etwa 10 Minuten, dann standen wir wieder ratlos am Strand – inmitten von Seegras-Bergen, die Baden nicht unbedingt als einen attraktiven Zeitvertreib erschienen ließen. Unschlüssig traten wir auf der Stelle und sehnten uns gedanklich zurück an die schöne, seegrasfreie Anse Volbert.

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Auch wenn die Farbe des Wassers bezaubert, war hier leider alles voller Seegras.

Plötzlich wurden wir ganz unvermittelt von der Seite angesprochen: „Wanna go back to main island?“ Unser Bootsfahrer konnte offenbar Gedanken lesen und bot tatsächlich an, uns außerplanmäßig nach Praslin zurückzubringen. Und ob wir wollten! Dankbar kletterten wir ins Boot und erreichten nach einem auf unseren Wunsch ziemlich verkürzten Schnorchelstopp bei St. Pierre die Anse Volbert. Hoch erfreut stürzten wir uns in die Fluten und genossen das kristallklare Wasser.

Später, als wir auf unseren Handtüchern saßen und uns in der Sonne trockneten, ließen wir unseren Ausflug Revue passieren. Gelohnt hat er sich in jedem Fall – allein schon der vielen Schildkröten wegen. Auch der Spaziergang durch den Mangrovenwald war ein schönes Erlebnis. Die Strände hingegen hatten uns ein wenig enttäuscht. Auf Praslin und ebenso auf den anderen Seychellen-Inseln gibt es deutlich malerischere Buchten.

Wollt auch ihr Curieuse besuchen? Dann solltet ihr folgende Dinge unbedingt dabei haben: Sonnenschutzmittel, festes Schuhwerk, ausreichend Wasser. Und lasst euch ruhig Zeit bei den Schildkröten sowie bei der anschließenden Wanderung – sonst ergeht es euch wie uns.

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