[SoaBT] Zu Besuch bei Uncle Ho’: Ein Tag in Hanoi 

Wie ihr ja wisst, sind wir keine „Vollzeitreisenden“ und müssen immer wieder sehen, wie wir unsere Urlaube so planen, dass wir das Beste aus den verfügbaren Tagen herausholen können. Bei mir, Patryk, (der fotografischen Hälfte von „Wir – dort und hier“) kommt allerdings noch ein glücklicher Umstand hinzu: ich bin beruflich immer mal wieder im Ausland unterwegs. Wer häufig Dienstreisen macht, wird bestätigen können: von Erholung keine Spur und mit Urlaub hat das Ganze schon gar nichts zu tun! Man landet spät, erreicht schlaftrunken irgendwie sein Hotel und der nächste Tag ist vollgestopft mit Programm. Ein Meeting jagt das nächste. Aber: manchmal bleibt eben doch etwas Zeit übrig. Zum Beispiel, wenn es ein Wochenende zu überbrücken gilt, damit man nicht in der darauffolgenden Woche wieder in die gleiche Region fliegen muss. Oder wenn der Rückflug einen Tag später einfach deutlich günstiger ist. Dann opfert man doch gerne einen Teil seines Wochenendes. Wie es auch immer kommt: Ich versuche diese Zeit dafür zu nutzen, etwas vom Land kennenzulernen. In Zukunft möchte ich euch in der Rubrik „Stories of a Business Traveller“ ein paar Eindrücke vermitteln, die man in wenigen Stunden erhaschen kann.

Jackpot: 24 Stunden Freizeit in Hanoi

2017 musste ich innerhalb von zwei Wochen Termine in Vietnam und Thailand wahrnehmen. Im Sinne der Kostenersparnis für die eigene Firma entschied ich, am dazwischenliegenden Wochenende in der Region zu bleiben. Freitag Nachmittag und Samstag Vormittag habe ich komplett in Hanoi verbracht, bevor es Samstag Abend weiter nach Bangkok ging, um dort am Montag die Dienstreise fortzusetzen. Doch wie beginnt man sein Freizeitprogramm in einer riesigen Metropole, wenn man eigentlich gar nicht so recht auf Sightseeing eingestellt ist? Keine einfache Angelegenheit.

But first… Change the hotel!

Meine allererste Amtshandlung war ein Wechsel der Unterkunft! Ihr kennt bestimmt die klassischen Businesshotels: sie sind schick und super komfortabel – aber meist auch unglaublich weit ab vom Schuss. Ist ja logisch, denn bei einer Dienstreise ist eine verkehrsgünstige Lage das A&O, um nicht den halben Tag im Stau zu verschwenden.  Zeit ist schließlich Geld! Für die Freizeit darf es aber ruhig ein bisschen zentraler und damit näher an den Sehenswürdigkeiten sein, schließlich ist man eh überwiegend zu Fuß unterwegs. Deshalb zog ich vom gut gelegenen Bao Son Hotel in ein kleines Innenstadthotel um. Das Hanoi Guest House Royal mitten in der Altstadt lässt definitiv keine Wünsche offen! Nettes Personal, ein gute Frühstück, eine grandiose Lage und das alles zu einem Hammerpreis ($50 pro Nacht)!

Innerhalb weniger Minuten ist man zu Fuß dort, wo das Leben tobt: am Hoan-Kiem-See. Bereits auf dem Weg dorthin kann man eine Menge über Land und Leute lernen. Die wichtigste Lektion: beim Überqueren von Straßen einfach mal Mut beweisen und entschlossen los gehen. Wenn man so tut, als würde man sich ganz selbstsicher zwischen den wenigen Autos, aber dafür Hunderten von Motorrollern hindurch bewegen, ist das deutlich erfolgsversprechender als Ewigkeiten auf eine ausreichend große Lücke zu warten (Die gibt’s nämlich nie!) oder gar sein Glück an einem Zebrastreifen oder einer Ampel zu versuchen. Dort würde ich vermutlich heute noch stehen…

Rund um den Hoan-Kiem-See

Der Hoan-Kiem-See ist auch als „Turtle-Lake“ oder als „See des zurückgegebenen Schwertes“ bekannt. Das liegt nicht nur an der Schildkrötenpagode auf der kleinen Insel Tháp Rúa, sondern vor allem an einer alten Legende, die ein wenig an die Excalibur-Sage erinnert. Dieser Legende nach wurde dem armen Fischer Le Loi von einer goldenen Schildkröte aus dem See ein magisches Schwert überreicht, mit dem er die Krieger der Ming Dynastie vernichtend schlagen konnte, als sie Vietnam angriffen. Während der Siegesparade kehrte Le Loi zum See zurück und wollte den Göttern danken, die ihm zu diesem Sieg verholfen haben. Doch plötzlich tauchte die Schildkröte auf und forderte das magische Schwert zurück. Bevor Le Loi überhaupt reagieren konnte, erhob sich das Schwert wie durch Zauberhand über den See und fiel hinein. Zu Ehren der Schildkröte wurde schließlich der berühmte Ngoc Son Temple errichtet.

Aber nicht nur die Legende um die Schildkröte macht den See so interessant. Egal, ob jung oder alt, ob Vietnamese oder Tourist: tausende Menschen tummeln sich täglich rund um das Gewässer. Zum Flanieren, zur sportlichen Betätigung oder einfach zum Sightseeing. Alle sind irgendwie in Bewegung. Diesen Bewegungsdrang und den damit verbundenen Durst machen sich unzählige Cafés in Seenähe zu Nutze. Ein ganz besonderes unter ihnen ist das „Note Café“ am nordwestlichen Seeufer. So ziemlich alles  in diesem Kleinod ist mit bunten „Notes“ beklebt. Und ständig gibt es Nachschub, denn jeder Gast ist dazu eingeladen, sich ebenfalls auf einem PostIt zu verewigen. Eine schöne Idee, die dem Café auf drei Etagen ein ganz eigenes Flair verleiht. Hier kann man auch bedenkenlos einen leckeren, frischen Egg-Coffee trinken. Unbedingt probieren! Geht man vom „Note Café“ Richtung Norden weiter, so erreicht man auf direktem Wege Hanois Nachtmarkt, auf dem es Souvenirs aller Art zu kaufen gibt. Leider hatte ich für all die angebotenen Schnäppchen gar nicht genug Platz im Gepäck und musste mich dementsprechend  zurückhalten. Fast ein wenig schade…

Hanoi_HCMM

Das Ho-Chi-Minh Mausoleum beeindruckt durch die pure Masse an Beton.

Mittlerweile war es dunkel geworden. Zurück ins Hotel? Definitiv nicht mit knurrendem Magen! Zeit für einen kleinen Snack! Bei den ganzen Street Kitchen wird man schnell fündig und kann sich für kleines Geld ordentlich satt essen. Frisch gestärkt sollte der Besuch des Ho-Chi-Minh-Monuments meine letzte Station an diesem Abend werden. Mir war klar, dass ich die Öffnungszeiten natürlich längst verpasst hatte, aber der mächtige Betonblock sieht dank bunter Beleuchtung vor allem bei Nacht sehr beeindruckend aus. Wenn man schon mal in Hanoi ist, muss man natürlich Uncle Ho besuchen, der dort seine letzte Ruhe fand. Für die Säulenpagode musste ich allerdings am nächsten Tag wiederkommen, denn mich übermannte langsam die Müdigkeit. Kein Wunder: ich bin viel auf den Beinen gewesen, dazu die meisten Strecken gelaufen – und die Arbeit der Vortage stecke mir irgendwie auch noch in den Knochen. Also ab in die Federn!

Neuer Tag – Neue Sehenswürdigkeiten!

Guten Morgen, Hanoi! Ein weiterer (dreiviertel) Tag voller Abenteuer stand bevor. Da ich mittlerweile schon gut geübt darin war, mich durch Hanois Straßen zu bewegen (Rücken gerade, Kopf aufrecht – und los!), kam ich nun deutlich schneller voran. Beim Frühstück im Hanoi Guest House Royal hatte ich mir schon eine grobe Route überlegt, auf der ich weitere Sehenswürdigkeiten der Stadt abklappern wollte. Mir blieben knapp 8 Stunden,  dann musste ich zum Flughafen. Klappt schon irgendwie!

Hanoi_TrainSt

Hier fährt der Zug fast bis ins Wohnzimmer.

Mein erster Halt war wieder das „Note Café“ für einen Vanilla Coffee to go! Ebenfalls sehr köstlich. Mit dem Becher in der Hand stapfte ich zügig durch die pulsierenden Straßen der Metropole, vorbei an der St Josephs Cathedral und den alten Gleisen bis zum Hao Lo Gefängnis. Dieses ist mittlerweile zu einem Museum umfunktioniert worden, das die Geschichte des Gefängnisses und die jüngere Geschichte Vietnams beleuchtet. Ein Besuch lohnt sich, obwohl ich mich dank des Zeitdrucks im Nacken etwas schneller durch die Ausstellung schieben musste.

Auf meiner imaginären Liste standen nämlich noch einige weitere Stationen, die ich unbedingt erreichen wollte. Nächstes Ziel: der Literaturtempel. Der Name ist hier Programm, denn es handelt sich sowohl um eine historische Bibliothek als auch um einen religiösen Tempel. Hier erfährt man viel Wissenswertes über die konfuzianischen Lehren und kann die Architektur der Van Mieu bestaunen. Vom Literaturtempel aus ging es wieder Richtung Norden, denn ich wollte noch dem West Lake einen Besuch abstatten. Auf dem Weg dorthin machte ich Halt an der Säulenpagode, die ich am Vorabend nicht besuchen konnte. Das besondere an dieser Pagode: sie steht auf einer einzigen Säule in einem kleinen Teich und ist damit ganz nett anzuschauen – allerdings nur, wenn man sowieso in der Gegend ist. Ich hatte irgendwie mehr erwartet und meine Besichtigung schneller als gedacht beendet.

Die neugewonnene Zeit nutzte ich für eine Stippvisite im B52 Victory Museum. Komischerweise war dort gar kein Personal vor Ort und niemand verlangte Eintrittsgeld. Aber umso besser!

Man merkt  direkt, wie mächtig stolz die Vietnamesen auf ihre Erfolge über die USA sind. Denn hier haben sie ein ganzes Museum errichtet, welches den Abschuss zweier B52 Stratofortress Langstreckenbomber dokumentiert. Neben Wrackteilen der abgeschossenen Flieger werden auch Flugabwehrkanonen und jede Menge Propagandamaterial gezeigt, das die Motivation der Vietnamesen im Krieg aufrechterhalten sollte. Für den Besuch sind in etwa 45 Minuten einzuplanen und aus meiner Sicht lohnt sich der kleine Abstecher aus der Altstadt heraus, denn das Museum ist wirklich interessant.

Meine letzte Station auf dem Streifzug durch Hanoi sollte der West Lake sein, also ging es vom Museum auf direktem Weg nach Norden. Etwa 15 Minuten später erreichte ich das Ufer des Sees. Leider blieb nicht mehr genug Zeit, um den größten See Hanois einmal komplett zu umrunden. Also spazierte ich in etwas gesteigertem Tempo die Nguyễn Đình Thi nach Osten, um zumindest wieder in Richtung meines Hotels zu kommen. Die Uferpromenade ist gesäumt von tollen Kolonialstilvillen, die gemütliche Cafés und schöne Läden beherbergen. Auf einer kleinen Insel mitten im Wasser kann man den buddhistischen Tempel „Tran Quoc Pagoda“ besichtigen. Wenn man von Tempeln noch nicht genug hat, ist dies auf jeden Fall empfehlenswert. Aber nun musste ich mich wirklich beeilen! Zurück zum Hotel und weiter zum Flughafen.

Hanoi_TranQuoc

Die Tran Quoc Pagode liegt auf einer kleinen Insel im West Lake.

24 Stunden Freizeit konnte ich in Hanoi genießen. 24 Stunden voller Erfahrungen. 24 Stunden, in denen ich eine ganze Menge gesehen habe. Eine spannende Stadt – und ich könnte mir gut vorstellen, nochmal privat mit Sandra (dem zweiten Teil von „Wir – dort und hier“) herzukommen. Vielleicht im Rahmen einer kompletten Vietnamreise, aber die muss noch eine Weile warten.

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