[SoaBT] More than one night in Bangkok!

Kurz erklärt: SoaBT

Wer unseren Blog regelmäßig liest, weiß bereits, was sich hinter „SoaBT“ verbirgt. Für alle anderen kurz erklärt: Patryk ist bedingt durch seinen Job immer mal wieder auf Dienstreisen im Ausland unterwegs. Oft jagt ein Meeting das nächste. Aber manchmal bleibt eben doch etwas Zeit, um Land und Leute kennenzulernen. Dann gibt es „Stories of a Business Traveller“ (kurz „SoaBT“). Dieses Mal aus Bangkok.

One in a million – Die Qual der Zimmerwahl

Ganz ehrlich: bei Dienstreisen habe ich keine großen Anforderungen an meinen Schlafplatz. Eine verkehrsgünstige Lage, funktionierendes WiFi, ein halbwegs bequemes Bett und eine warme Dusche – mehr braucht es eigentlich gar nicht. Klingt einfach, aber Bangkok bietet eine schier endlose Auswahl an Hotels. Gar nicht so leicht, sich da zu entscheiden… Während meiner zwei Nächte vor Ort quartierte ich mich im Hotel Indigo in der Wireless Street ein. Dank später Ankunft blieb gerade noch genug Zeit für einen Drink in der Rooftopbar mit wunderbarer Aussicht auf den nächtlichen Glanz der Millionenmetropole. Das Hotel liegt im Stadtteil Lumphini, wo auch der gleichnamige Lumphini Park zu finden ist. Dieser Teil Bangkoks ist dominiert von Hochhäusern, die sich fast schon ordentlich aneinanderreihen. Ganz untypisch für eine sonst vorwiegend chaotische Stadt.

Bangkok_Skylinebynight

Man hat von Rooftopbars einfach immer die besten Ausblicke!

Und während mir Bangkok zu Füßen lag, plante ich im Kopf schon mal den morgigen Tag. Klar war, dass ich den Großen Palast sehen wollte. Von dort aus ist es nur ein Katzensprung zum Wat Pho und nochmal einer bis zum Wat Arun (quer über den Chao Praya). Aber auch die Khao San Road stand hoch im Kurs und ein Spaziergang durch den Lumphini Park klang ebenfalls äußert reizvoll. Schien ein straffes Programm zu werden… Egal, denn kürzen ließ es sich immer noch. Zufrieden gönnte ich mir eine ordentliche Portion Schlaf.

Nach einer erholsamen Nacht war ich bereit für jede Menge Action. Allerdings nicht ohne ein ordentliches Frühstück! Besonders die großen Hotelketten tischen meist eine ganz vorzügliche Auswahl auf – die wollte ich mir natürlich keinesfalls entgehen lassen. Und ich wurde nicht enttäuscht! Wenn auch ihr im Hotel Indigo übernachten solltet, bucht das Frühstück unbedingt mit!

Achtung, Touristenfalle: Gerade noch entkommen!

Gut gestärkt ging es dann endlich ins Zentrum von Bangkok. Dieses war allerdings nicht  direkt in Laufnähe, wie ich feststellen musste. Deshalb entschloss ich mich in Gedanken an mein volles Tagesprogramm und auch angesichts der jetzt schon herrschenden 33°C für eine kurze Taxifahrt. Die Kosten sind nicht der Rede wert, sofern man nach Taxameter fährt. Mein erster Halt war wie geplant der Große Palast. Die letzten paar hundert Meter musste ich zu Fuß zurück legen, denn das Taxi konnte dank diverser Absperrungen nicht bis zum Eingang fahren. Kein Problem! Kaum dass ich ausgestiegen war, geschah jedoch, wovor in Bangkok immer gewarnt wird. Ein TukTuk-Fahrer sprach mich an und fragte, wo ich hinwolle. Ich roch den Braten sofort und erklärte ihm, dass ich nur zum Palast möchte. Oh, der sei aber vormittags nur für Thais zum Gebet zugänglich, entgegnete er. Stattdessen könne er mich aber natürlich zu anderen Highlights von Bangkok fahren und dann nachmittags wieder zum Palast bringen. Als ich dankend ablehnte, blieb er zwar freundlich, betonte aber nochmal, dass der Palast geschlossen sei. Ich ließ mich nicht von meinem Ziel abbringen. Und natürlich war der Palast regulär geöffnet! Aber mit dieser Masche erschleichen sich die selbsternannten „Guides“ immer wieder ihre Kunden. Laut Internet fahren sie diese dann oft zu irgendwelchen Shops, in denen etwas gekauft werden muss, ehe die Tour fortgesetzt wird. Der Palast ist offenbar ihr liebster „Fangplatz“. Aber keine Sorge: nicht jeder treibt ein falsches Spiel! Seid einfach ein bisschen achtsam, dann geht schon nichts schief!

Grand Palace: Zwischen Tourismus und Trauer

Ich muss ein bisschen ausholen, um meine Erlebnisse im Großen Palast zu beschreiben. Es war der 5. März 2017. Etwa sechs Monate waren vergangen, seitdem König Bhumibol Adulyadei (auch Rama IX.) nach 70-jähriger Regentschaft im Alter von 89 verstorben ist. Der Tod des Königs bedeutete für viele Thais das Ende der bekannten Welt, denn ein Großteil der Bevölkerung kann sich an keinen anderen König erinnern als an Bhumibol. Er war für die meisten Einheimischen das personifizierte Thailand. Umso schwerer wiegt natürlich auch der Verlust. Es wurde eine einjährige Staatstrauer angeordnet, das staatliche Fernsehen sendete die erste Zeit nur schwarz-weiss. Menschen weinten, das Konterfei des verstorbenen Königs war allgegenwärtig.

Umso bizarrer war für mich die Erfahrung im Palast selbst. Täglich besuchen ihn tausende Touristen. Hinzu kommen unzählige Buddhisten, die dort beten. Und nun suchen ihn auch noch die Trauernden auf. Aber es nicht die Masse an Menschen, die das Ganze so surreal erscheinen lässt. Es ist der Kontrast zwischen den eben genannten Gruppen. Unbeschwerte Touristen, die Fotos und Selfies machen. Gläubige, die auf Ruhe und Erfüllung im Gebet hoffen. Trauernde, die ihrem König nachrufen. Eine seltsame Mischung, die aber keinesfalls unbehaglich wirkte. Nur hier und dort ordnete das Militär die Besucherströme.

Die Sehenswürdigkeiten auf dem Gelände sind zahlreich. Pagoden, königliche Residenzen und Gästehäuser, diverse kleinere Tempel, Museen und natürlich Thailands heiligste religiöse Stätte: der Tempel des Smaragdgrünen Buddha. Letzterer war  während meines Besuchs tatsächlich wegen eines Gebets für Touristen nicht zugänglich, allerdings konnte ich von außen einen Blick auf die etwa 66cm große Buddhastatue werfen. Sie ist nicht – wie der Name vermuten lässt – aus Smaragd, sondern aus Jade gefertigt.

Gut zu wissen: Auf dem gesamten Gelände herrscht ein strenger Dresscode. Kurze Hosen sind zum Beispiel tabu, ebenso freie Schultern. Informiert euch am besten vorab! Im Zweifel werden am Haupttor stilsichere graue Textilien gegen Pfand zum Ausleihen angeboten (200 Bath). Der Eintritt zum Palast ist für thailändische Verhältnisse nicht gerade günstig. Für 500 Baht pro Person wird allerdings einiges geboten. Neben dem Palast selbst könnt ihr noch die Münzsammlung des Königs, das Textilmuseum von Königin Sirikit (Witwe des verstorbenen Bhumibol) und die Vimanmek Mansion (etwas außerhalb) besichtigen.

Ein lohnenswertes Extra: Das königliche Textilmuseum

Überraschend interessant war tatsächlich das Textilmuseum, denn es zeigte nicht nur  die Kleider der Königin, sondern erzählte vielmehr die Entwicklung eines Thai-Stils, den es zuvor nicht gab. In der Zeit vor Bhumibols Krönung war Thailand nahezu isoliert. Erst durch seine Politik öffnete sich das Land dem Westen und betrat die weltpolitische Bühne. Dies stellte die Königin vor ein Problem: fehlende Garderobe! Denn große Staatsbesuche hatte es bisher nie gegeben und besonders im royalen Umfeld galt früher noch viel mehr als heute: Kleider machen Leute! Zu Beginn wurde die Königin durch französische Designer eingekleidet, wodurch die Kleider und Kostüme am Anfang der „Zeitreise“ durchs Museum sehr europäisch anmuten. Nach und nach ging die Königin jedoch dazu über, ihre Designer und Schneider mit eigenen Ideen zu füttern und traditionelle Thai-Elemente in die Kreationen einfließen zu lassen. Wenn ihr etwa 45 Minuten Zeit habt, solltet ihr euch das „Queen Sirikit Museum of Textiles“ auf jeden Fall anschauen. Im kleinen Souveniershop kann man hübsche Mitbringsel, aber auch hochwertigen Schmuck erwerben. Zückt schon mal die Kreditkarten! Fotografieren ist übrigens nicht erlaubt, aber Google hilft euch, einen Ersteindruck zu gewinnen.

Auf der Suche nach Erleuchtung in Wat Pho und Wat Arun

Direkt neben dem Palast, nur durch eine Straße getrennt, liegt Wat Pho. Diese architektonisch sehr hübsche Tempelanlage ist besonders für ihre riesige, liegende Buddhastatue bekannt, die zu den größten des Landes zählt.  Sie ist etwa 45m lang und 15m hoch. Die Füße sind mit feinem Perlmutt verziert und zeigen in kunstvollen Details die 108 Lakshana (verheißungsvollen Merkmale) Buddhas.

Außerdem beherbergt Wat Pho eine „offene Universität“. Mehr als 1400 Wandinschriften verteilt über die ganze Anlage erlauben das Studieren diverser Künste – darunter Botanik, Astrologie, Religion, traditionelle Heilkunst und natürlich Massage. Tatsächlich zählt Wat Pho auch heute noch zu den wichtigsten Lehreinrichtungen für Thai-Massagen. Was man sich mittlerweile bequem als „Youtube-Eklärvideo“ anschaut, musste man Mitte des 19. Jahrhunderts mühevoll aus den Inschriften entziffern.

Ich nahm mir Zeit und setzte mich für einige Minuten in einen der Tempel. Ganz ohne etwas zu tun. Kein Foto. Kein Blick auf’s Smartphone. Keine Gedanken an irgendwas. Innerhalb kürzester Zeit stellte sich Entspannung ein – trotz des bisher sehr intensiven Vormittags. Es war wie ein „Aufladen“ für den Geist, so dass ich danach wieder bereit war für weitere Eindrücke der Metropole.

Bangkok_WatArunPortal

Der Zugang an Wat Arun ist schon wunderschön.

Als nächstes stand Wat Arun auf meiner Liste. Der Tempel der Morgenröte ist vom Wat Pho aus bereits zu sehen. Es gilt nur den dazwischen gelegenen Fluss zu überqueren. Aber bitte nicht mit dem Taxi, das kostet unnötig viel Zeit und Geld! Auch TukTuks sind keine gute Wahl (innerhalb Bangkoks sind sie meist sogar teurer als Taxis). Die Lösung ist denkbar einfach: man geht westwärts über die Straße „Thanon Thai Wang“ zum Flussufer, kauft sich unterwegs einen kleinen Snack und nimmt für nur 4 Bath (kein Schreibfehler!) die Fähre, die regelmäßig verkehrt. Et voilà.

Wat Arun begrüsste mich mit einem allumfassenden Baugerüst. Schade! Trotzdem ist die Anlage beeindruckend und die Architektur wirklich einzigartig. Nach einem kurzen Zwischenstopp zog ich dennoch weiter. Es gab noch viel zu tun und ich würde sicherlich irgendwann nochmal nach Bangkok kommen. Dann werde ich mir mehr Zeit für Wat Arun nehmen und vielleicht ist mit etwas Glück auch das Baugerüst weg.

Bangkok hatte mich! Unterwegs durch die Straßen

Nächster Stopp: die Khao San Road. Aus dem „Wilde-Parties-Alter“ bin ich zwar längst raus, aber ich wollte selbst erleben, ob Bangkoks berüchtigtste Straße ihrem zweifelhaften Ruf gerecht wird. Also nahm ich wieder die kleine Fähre über den Fluss und machte mich anschließend zu Fuß auf den Weg. Angesichts des Verkehrsaufkommens war das definitiv die richtige Idee. Gut 20 Minuten später erreichte ich meine Ziel, das genauso war, wie erwartet: jede Menge feierwütige Backpacker, Hunderte von Streetkitchens und massenhaft Bars, die mit „HappyHour ALLDAY“ um die Kunden werben. Jetzt, am frühen Abend, ging es noch recht gesittet zu. Vermutlich wird es mit später Stunde deutlich lauter.

Bangkok_KhaoSan

Wildes Treiben auf der Khao San Road.

Da mein Bewegungsdrang noch nicht gestillt war, zog ich es vor, von der Khan San Road  zurück zum Hotel zu laufen, statt ein Taxi zu nehmen. Unterwegs lernte ich Bangkok von einer ganz andere Seite kennen. Ich passierte einfache Häuser, die fast ein bisschen deplatziert wirkten in dieser pulsierenden Metropole. Ruhige Straßen und schöne Hinterhofe, die gar nicht so recht in mein bisheriges Bild der Megacity passten. Kleinstadtatmosphäre statt Großstadttrubel. Unglaublich spannend. Im letzten Licht des Tages erreichte ich schließlich den Lumphini Park, drehte eine Runde um den See und ließ den Tag Revue passieren. Ich hatte zwar einiges gesehen und doch habe ich wohl nur an der Oberfläche dieser hochinteressanten Stadt gekratzt.

Bangkok, ich komme wieder! Ganz sicher!

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