[Schweden] Unterwegs im grünen Herzen Stockholms: Ein Tag auf Djurgården

In unserem vorletzten Beitrag haben wir euch bereits die schönsten Viertel Stockholms vorgestellt. Djurgården hat uns allerdings so unglaublich gut gefallen, dass wir der kleinen Insel ein paar mehr Worte widmen wollen. Wir nehmen euch mit auf unseren Ausflugstag und zeigen, was es inmitten der Ostsee alles zu entdecken gibt.

Hinkommen

Insel. „Klingt irgendwie nach weit entfernt.“, fanden wir. „Nehmen wir mal lieber die Bahn!“ Hätten wir doch bloß nochmal einen Blick auf den Stadtplan geworfen… Unwissend verließen wir morgens gegen 9 Uhr unser Hotel und machten uns auf zur nächstgelegenen Straßenbahnhaltestelle am schwedischen Nationaltheater. Dort bestiegen wir nach kurzer Wartezeit die Bahn – und guckten vermutlich ziemlich dumm aus der Wäsche, als diese nicht mal 5 Minuten später vor unserem ersten Ziel hielt. Klasse, das Geld für die Tickets hätten wir uns schenken können! Zu Fuß wären wir die 1,6 Kilometer locker in 20 Minuten gelaufen. Aber gut, hinterher ist man immer schlauer. Da waren wir also.

Skansen: Eine Zeitreise durch Schweden im Kleinformat

Skansen und wir – das war Liebe auf den ersten Blick! Das älteste Freilichtmuseum der Welt entführt seine Besucher auf eine spannende Zeitreise zurück ins 19. Jahrhundert. Entlang der weitläufigen Spazierwege finden sich unzählige historische Gebäude aus den verschiedenen Regionen Schwedens, die mit viel Liebe zum Detail hergerichtet sind. Unser Plan, früh aufzustehen, um den Besuchermassen zuvorzukommen, ging perfekt auf: die Schlange vor den Kassenhäuschen beschränkte sich auf knapp zwei Meter und ehe wir uns versahen, hatten wir die Tore passiert. Ein metallenes Rolltreppenungetüm, das wir rein aus Faulheitsgründen bestiegen, um die Höhenmeter zum Schanzenhügel zu überwinden (dort oben liegt nämlich Skansen), spuckte uns mitten hinein in ein Schweden längst vergangener Tage.

Stockholm_Skansen_house

Schon kurz hinter dem Eingang taucht man in eine andere Welt ein.

Entlang der kopfsteingepflasterten Straße im Stadtviertel „Stadsvarteren“ verrichten Glasbläser und Töpfer ihr Tagwerk. Sie lassen sich gern bei der Arbeit über die Schulter schauen. Nur einen Katzensprung entfernt befindet sich der mittelschwedische Bauernhof „Älvrosgården“. Das prasselnde Kaminfeuer in der Wohnstube ist bestens geeignet, um eingefrorenen Finger wieder aufzutauen. Ein Stückchen weiter nördlichen stehen hübsche, alte Sennereien, wie sie heute noch im nordschwedischen Bergland zu finden sind. Wir könnten noch ewig so weiter machen, weil es einfach unglaublich viel zu entdecken gibt. Aber Worte können dieses schöne Fleckchen Erde sowieso nicht annähernd beschreiben.

Stockholm_Skansen

Trotz des tollen Wetters war es hier an diesem Tag zu kalt zum Spielen.

Skansen muss man einfach gesehen haben! Der Eintrittspreis liegt bei knapp 13€ – dafür waren wir aber auch einen ganzen Vormittag lang beschäftigt. Gut investiert, finden wir.

Villa von Waldemarsudde: Kunst und Natur im Einklang

Von Skansen aus ist es nur ein etwa 20-minütiger Spaziergang bis zur italienisch anmutenden Villa des Malerprinzen Eugen. Weil uns an diesem sonnigen Tag ausschließlich nach Frischluft zumute war, verzichteten wir auf eine Besichtigung der Innenräume und schauten uns stattdessen lieber den direkt am Wasser liegenden Garten an. Dort verschmelzen Natur und Kunst auf ganz wunderbare Weise miteinander. Verschieden Skulpturen sind geschmackvoll in das üppige Grün integriert und auch die historische Leinölmühle auf der Felskuppel bietet einen schönen Anblick.

Im Sommer muss es hier absolut traumhaft sein… Einfach auf eine der vielen Sonnenbänke setzen und den Ausblick genießen! Kann man natürlich auch in der kälteren Jahreszeit tun. Der unnachgiebige Ostseewind zwang uns allerdings schon nach wenigen Minuten wieder zum Aufbruch. Wir brauchten dringend ein warmes Plätzchen. Da kam uns der nächste Stopp gerade recht.

Rosendals Trädgård: Der perfekte Ort für eine Kaffeepause

Wenn wir Rosendals Trädgård mit nur einem Wort beschreiben müssten, wäre es dieses: Paradies! Denn das gemütliche Café inmitten einer Gärtnerei ist einer dieser Orte, die einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern, sobald man sie betritt. Alles ist hübsch dekoriert und auf einem reichlich bestückten Buffettisch steht eine Leckerei neben der anderen. Fast unmöglich, sich da zu entscheiden…

Stockholm_Rosendals

Wir haben die schwedischen „Fika“ lieben gelernt.

Nach kurzer Bedenkzeit haben wir es trotzdem geschafft und uns mit unserem Kuchen in den hinteren Gastraum verzogen, der deutlich leerer war als der vordere. Durch die Glaswände und -dächer des Gewächshauses schien uns die Sonne auf den Pelz und wärmte unsere durchgefrorenen Glieder. Absolut herrlich! Am liebsten wären wir ewig dort sitzen geblieben, aber auf unserem Tagesprogramm standen noch zwei Museen. Also mahnten wir uns nach etwa einstündiger Pause schweren Herzens zum Aufbruch.

Vasamuseet: Viel Holz und eine traurige Geschichte.

Wir trauen uns ja kaum, es zuzugeben, aber: die Aussicht auf ein altes Holzschiff (und nur darum geht es im Vasamuseet!) versetzte uns zunächst nicht gerade in Begeisterungsstürme. Trotzdem waren wir irgendwie neugierig, denn alle Besucher schwärmten in den höchsten Tönen. Und wir hatten noch genug Zeit übrig an diesem Tag. Also gingen wir hin.

Zum Glück! Allein der Anblick des 300 Jahre alten Schlachtschiffs verschlug uns schier den Atem! Es ist wunderschön gearbeitet, überall gibt es kunstvolle Ornamente und Schnitzereien zu entdecken. Spannend ist aber auch die Geschichte hinter dem Holzkoloss, die das Museum erzählt: nach 3 Jahren Bauzeit ist die Vasa – damals das größte Schiff der Ostsee und der ganze Stolz der schwedischen Marine – auf ihrem Stapellauf am 10. August 1628 nur wenige hundert Meter jenseits des Hafenbeckens gesunken. Die riesigen Aufbauten und die üppigen Dekorationen – so vermutet man – waren schlichtweg zu schwer für den zierlichen Unterbau und brachten das Schiff zum Kentern. Etwa 50 Besatzungsmitglieder verloren bei diesem tragischen Unglück ihr Leben. Über 300 Jahre ruhte die Vasa nach etlichen gescheiterten Bergungsversuchen anschließend auf dem Grund der Ostsee und geriet in Vergessenheit. Erst Ende der 1950er-Jahre wurde sie wiederentdeckt und in einem vier Jahre andauernden, mühevollen Prozess geborgen und mittels chemischer Verfahren restauriert. Eine Wahnsinnsarbeit, die sich aber absolut gelohnt hat! Mit unserem Audioguide konnten wir das Museum im eigenen Tempo erkunden und waren etwa zwei Stunden beschäftigt. Der Eintrittspreis in Höhe von 13€ ist wirklich jeden Cent wert und wir können das Vasamuseet jedem Stockholm-Besucher nur ans Herz legen.

Junibacken: Willkommen in der Welt von Pippi und Michel!

Hier kommt das nächste Geständnis: Sandra ist riesengroßer Astrid-Lindgren-Fan. Pippi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter und Karlsson vom Dach waren aus der Kindheit einfach nicht wegzudenken. Und auch heute noch sind die Filme ein patentes Mittel gegen jeglichen Anflug von Trübsal. Deswegen gab es auch überhaupt keine Diskussion, ob wir das „Junibacken“-Museum besuchen sollen oder nicht. Denn dort kann man seine liebsten Buch- und Filmhelden hautnah erleben. In einer Gondel schwebten wir langsam durch liebevoll gestaltete Szenen rund um die Villa Kunterbunt, Bullerbü und Co. – stets begleitet von interessanten Erzählungen in der gewünschten Sprache. Die Fahrt endete allerdings überraschend abrupt. Nach gerade einmal 15 Minuten hatten wir wieder festen Boden unter den Füßen. Endstation: Villa Kunterbunt – begeh- und bespielbar. Für Kinder sicherlich ein großer Spaß, wir hingegen waren nach wenigen Minuten fertig mit dem Besichtigungsprogramm. Und jetzt? Ein kurzer Rundgang noch über den bunten Indoorspielplatz mit vielen weiteren Charakteren Astrid Lindgrens, dann hatten wir wirklich alles gesehen. Schade – für knapp 18€ Eintritt pro Person hatten wir irgendwie mehr erwartet. Besonders Patryk, der mit der Welt von Astrid Lindgren nicht allzu vertraut ist, zog ein langes Gesicht. Also: ohne Kinder im Gepäck solltet ihr euch wirklich überlegen, ob Junibacken euch das Geld wert ist.

Trotz dieser kleinen „Enttäuschung“ haben wir auf Djurgården einen tollen und ereignisreichen Tag verbracht. Mit mehr Zeit hätten wir unser Programm auch sicherlich auf zwei Tage ausdehnen können, um die einzelnen Orte noch intensiver zu erleben. Aber so ist das nun mal bei einem kurzen Wochenendtrip…

Übrigens: Djurgården ist weltweit der einzige Nationalpark, der mitten im Innenstadtbereich einer Großstadt liegt.

 

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