[Costa Rica] Warum wir San José Hals über Kopf verlassen haben und wohin wir geflüchtet sind

Unser Roadtrip durch Costa Rica war gleichzeitig auch unser erster Besuch in Zentralamerika. Dementsprechend groß war natürlich die Vorfreude. Wochenlang surften wir durchs Internet und ließen uns inspirieren von spannenden Erlebnissen und traumhaften Bildern. Doch als wir endlich costa-ricanischen Boden unter den Füßen hatten und den Flughafen hinter uns ließen, wollte sich das Glücksgefühl noch nicht so recht einstellen. Und das hatte einen Grund: San José. Der Landeshauptstadt eilt nämlich kein besonders glorreicher Ruf voraus. Voll mit Betonklötzen soll sie sein. Und voll mit Autos. Auch Freunde hatten uns eindringlich geraten: „Schnappt euch einen Mietwagen und seht zu, dass ihr Land gewinnt!“ 

Doch das ist leichter gesagt als getan, wenn man noch gar nicht so genau weiß, wo die Reise eigentlich hingehen soll. Wir hatten zwar etliche Ziele heraus gesucht, die sich prima zu einem zweiwöchigen Rundkurs zusammen setzen ließen, konnten uns aber ob der ständig wechselnden und insgesamt eher bescheidenen Wettervorhersagen partout nicht für eine Fahrtrichtung entscheiden. Regenschauer hier, Gewitterrisiko dort, graue Wolken überall. Einzig San José versprach halbwegs stabile Aussichten. Also beschlossen wir, zunächst ein, zwei Tage in der Region zu bleiben und das Beste draus zu machen.

Und das Beste ist tatsächlich: die Stadt zu verlassen! Wir wollten San José eine Chance geben. Wirklich! Nach anfänglich verzweifeltem Blättern entdeckten wir in unserem Reiseführer tatsächlich ein paar Sehenswürdigkeiten, die ganz interessant klangen. Doch es schien unmöglich, sie zu erreichen. Stau. Überall. Bei unserer Ankunft am späten Abend schoben wir die Massen an Autos noch auf den Freitag, den vermutlich viele Menschen zum Ausgehen nutzten. Doch am nächsten Morgen wurde klar: San José hat ein Verkehrsproblem! Endlose Blechlawinen verstopfen die Straßen und lassen jede Fahrt zu einer Geduldsprobe werden. Für einen Moment  wurden wir Teil von ihnen, dann gaben wir genervt auf. Unser erster Urlaubstag war uns definitiv zu schade, um ihn im Auto zu verbringen! Also haben wir kurzerhand nach ein paar alternativen Ausflugszielen außerhalb des Zentrums gesucht – und sind schnell fündig geworden!

Sarchí (Entfernung zu San José: 45 Kilometer)

Sarchí ist optisch nicht unbedingt eine Augenweide – mal abgesehen von der ganz hübschen Iglesia di Sarchí Norte und dem davor befindlichen Hauptplatz, der ein beliebter Treffpunkt für Jung und Alt zu sein scheint. Dafür gilt das kleine Dorf nordwestlich von San José als Zentrum des Kunsthandwerks und ist besonders für seine bunt verzierten, hölzernen Ochsenkarren (Spanisch: „Carretas“) bekannt. Früher wurden diese genutzt, um Waren von A nach B zu transportieren. Heute sind sie das offizielle Symbol der Arbeiterbewegung Costa Ricas und ein äußerst beliebtes Souvenir bei Touristen – im Miniaturformat, versteht sich. 

Sarchi_Church

Die Kirche von Sarchí ist neben den Carretas das optische Highlight der kleinen Stadt.

Selbst wer keine Kaufabsichten hegt, sollte unbedingt eine der Traditionswerkstätten besuchen, in denen die Ochsenkarren und ebenso andere Holzkunstwerke gefertigt werden. Wir haben in der „Fábrica de Carretas Eloy Alfaro“ (8-17 Uhr geöffnet, Eintritt frei) vorbei geschaut. Sie wurde bereits 1920 gegründet und bei einem Streifzug durch die großen Werkstatt könnte man glatt meinen, dass sich seitdem auch nicht allzu viel verändert hat. Noch immer werden viele der schweren Maschinen mit Wasserkraft betrieben – damals wie heute eine Besonderheit im Land. Ein freundlicher Mitarbeiter setzte sogar extra für uns das große Wasserrad in Gang, um uns das hydraulische Antriebssystem in Aktion zu zeigen. Sehr interessant! Gleich neben der Werkstatt gibt es natürlich auch einen großen Laden, in dem schöne Urlaubserinnerungsstücke aller Art verkauft werden. Stöbern lohnt sich, denn die Preise sind weitestgehend fair.  

Gern hätten wir unseren Ausflug noch mit einem leckeren Essen gekrönt, konnten aber partout kein ansprechendes Restaurant finden. Also deckten wir uns im ansässigen Supermarkt mit ein paar kleinen Snacks ein, die wir auf dem Dorfplatz genüsslich in der Sonne verspeisten. Genau so machen es die Einheimischen nämlich auch. 

Sarchi_Park

Neben dem großen Ochsenkarren haben wir uns für unser Picknick niedergelassen.

Ach – und um Verwirrungen vorzubeugen: Sarchí besteht aus zwei Teilen. In Sarchí Norte, dem sogenannte „Zentrum“ des Dorfes, befinden sich die oben erwähnte Kirche und die von uns besuchte Werkstatt. Sarchí Sur besteht eigentlich nur aus einer Hauptstraße, an der aber immerhin die älteste und bekannteste Carretas-Fabrik des Landes liegt. Leider hatte die „Fabrica de Carretas Joaquín Chaverri“ bei unserem Besuch geschlossen, obwohl wir dort innerhalb der regulären Öffnungszeiten Halt machten.

La Paz Waterfall Gardens (Entfernung zu San José: 45 Kilometer)

Ja, die „La Paz Waterfall Gardens“ sind wohl das, was man klassisch als „Touristenattraktion“ bezeichnet. Und ja, ein bisschen verrückt ist es schon, in einem Land, das vor allem für seine unzähligen Nationalparks bekannt ist, eine Art botanischen Garten mit integriertem Zoo zu besuchen. Aber für den „sanften“ Einstieg in Costa Ricas Flora und Fauna finden wir die Waterfall Gardens (8-17 Uhr geöffnet, Eintritt rund 40€ pro Person) gar nicht schlecht! Es gibt verschiedene gepflegte Spazierwege, die durch eine wunderschöne grün-bunte Landschaft führen und sich gut zu einem etwa zweistündigen Rundkurs verbinden lassen. Dabei kann man immer wieder Tierisches entdecken – zum Beispiel Unmengen von Kolibris, die eifrig um ihre Futterstellen schwirren oder handtellergroße Frösche, die sich gut getarnt zwischen den dichten Blättern des Tropenhauses verstecken. Einziger Wermutstropfen: die winzigen Gehege der munteren Affen und der stolzen Dschungelkatzen, deren Anblick uns unweigerlich einen Stich ins Herz versetzte. Hier gibt es definitiv noch Verbesserungsbedarf!

Unser eigentliches Highlight der „La Paz Waterfall Gardens“ sind aber unbestritten die namensgebenden Wasserfälle Templo, Magia Blanca, Encantada und La Paz. Folgt man dem Rundweg, kann man sie genau in dieser Reihenfolge bestaunen. Wahnsinnig beeindruckend, wie sich das Wasser tosend die Klippen hinunterstürzt! Man sollte allerdings lieber ein wenig Abstand halten, sonst gibt es dank des feinen Sprühnebels schon mal feuchte T-Shirts. Haben wir ausprobiert.

LaPazWG_Waterfall

Wenn es auf einen herabregnet, dann gibt’s wenig zu lachen.

Dafür machte uns der stete Regen, der urplötzlich begann und unseren Rückweg begleitete, nicht mehr allzu viel zu schaffen. Am Ende der Wegstrecke wartete übrigens ein Shuttlebus, der müde Wanderer wieder zum Besucherzentrum zurückfuhr. (Kostenfrei natürlich – alles andere wäre angesichts der horrenden Eintrittspreise auch ein Witz.)

Britt Coffee Tours (Entfernung zu San José: 12 Kilometer)

Wie fast alle zentral- und südamerikanischen Länder ist auch Costa Rica bekannt für seinen exzellenten Kaffee. Weil wir beide große Kaffeeliebhaber sind, war für uns von Anfang an klar, dass wir unbedingt eine der Coffee Companies besuchen wollen. Die Fabrik von „Britt Coffee“ (8-17 Uhr geöffnet) ist praktischerweise gar nicht weit von San José entfernt und da wir gerade etwas Zeit übrig hatten, buchten wir online spontan zwei Plätze in einer der geführten Touren („Classic Coffee Tour“ etwa 20€ pro Person). Vor Ort wurden wir von zwei freundlichen Guides empfangen, die uns mit einer gehörigen Portion Humor viel Wissenswertes über das „Schwarze Gold“ erzählten und ihre Führung über das Fabrikgelände mit gelegentlichen Slapstick-Einlagen auflockerten.

Heredia_BrittTour

Auch wenn die beiden Schergen etwas albern daher kamen, war es doch unterhaltsam.

Klingt vielleicht etwas albern, ist aber tatsächlich recht kurzweilig – und das sagen wir, die mit platter Comedy per se nun wirklich nicht viel anfangen können. Zwischendurch gibt es immer wieder Kaffee zum Probieren und auch im Fabrikladen kann man sich anschließend nochmal ordentlich durch die verschiedenen Sorten schlürfen. Unbedingt auch die weiß-schokolierten Kaffeebohnen probieren! Uns haben sie so gut geschmeckt, dass wir direkt ein großes Paket mitnehmen mussten. 

Heredia_BrittWelcome

Pura Vida! Mit Britt Café und einem Faultier. Außerhalb von San José fühlten wir uns wohl!

Wichtig zu wissen: Auf dem Fabrikgelände von „Britt Coffee“ befindet sich nur eine kleine Schau-Plantage, die in wenigen Minuten durchlaufen ist. Wer unbedingt mehr Zeit zwischen Kaffeesträuchern verbringen möchte, sollte sich lieber nach einer Alternative umschauen.

Toucan Rescue Ranch (Entfernung zu San José: 16 Kilometer)

Die „Toucan Rescue Ranch“ ist einer dieser Orte, die wir wohl nie wieder vergessen werden. Unser Besuch dort hat uns so sehr begeistert, dass wir ihm einen eigenen Blogpost widmen werden. Nur so viel vorab: die „Slothies & Coffees“-Tour trifft jeden Faultier-Fan mitten ins Herz. Versprochen!

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