[Costa Rica] Abseits der Touristenpfade: Auf Entdeckungstour im Vallée de Orosí

Das „Vallée de Orosí“ zählt definitiv zu den Highlights unserer Rundreise durch Costa Rica – und das völlig unerwartet! Denn das hübsche Tal liegt etwas abseits der üblichen Touristenpfade, wodurch es oberflächlich betrachtet schnell als „weniger interessant“ abgestempelt wird. Auch wir wären fast dran vorbei gefahren, haben dann aber eine Unterkunft gefunden, zu der wir einfach nicht „Nein“ sagen konnten. Und so kam eins zum anderen.

Eigentlich wollten wir von San José aus direkt zur Pazifikküste nach Uvita. Weil aber unser Besuch des „Poás“-Vulkans dank erhöhter Aktivität und einer damit einhergehenden Sperrung des gesamten Parkgeländes ausfallen musste, entschieden wir spontan, stattdessen am Vulkan „Irazú“ Halt zu machen. Also suchten wir online nach einer Bleibe irgendwo in dessen Nähe – und verliebten uns sofort Hals über Kopf in die „El Salto Ecologde“, für die wir dann gern noch einen Umweg ins Vallée de Orosí auf uns nahmen. Dass aus diesem Umweg zunächst ein Irrweg werden würde, konnten wir noch nicht ahnen.

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Hat man San José hinter sich gelassen, dann hat man die Straßen fast für sich allein.

Froh, San José endlich hinter uns zu lassen, folgten wir zielstrebig unserem Offline-Navi bis Cartago und weiter über Paraíso ins Tal hinein. Dass die Straße immer schmaler und staubiger wurde, verwunderte uns zunächst nicht. Stutzig wurden wir erst, als sie plötzlich komplett versperrt war. Von einem riesigen Haufen Erde, der sich vermutlich beim letzten Unwetter selbstständig gemacht hatte und vom Hang gerutscht war. Kein Vorbeikommen – weder links noch rechts. Und nun? Nach einem ersten Anflug von Ratlosigkeit fiel uns ein: Wir hatten ja ein Handy mit lokaler SIM-Karte. Und: Empfang! Also riefen wir kurzerhand unseren Host an, der uns detailliert eine alternative Route erklärte (Wie war das? Zurück nach Cartago, am Fußballplatz links, dann nach der Kirche rechts und an der zweiten Kreuzung… Ach egal, finden wir schon!) und auch noch allen anderen Reisenden weiterhalf, die mittlerweile mit uns in der Sackgasse gestrandet waren. Nachdem wir das Handy einmal durch die Reihe gereicht hatten, brachen wir auf – und erreichten eine halbe Stunde später tatsächlich die El Salto Ecolodge. 

Liebe auf den ersten Blick: El Salto Ecologde

Schnell hievten wir die Koffer aus dem Auto und folgten unserem Host, der uns an der Straße in Empfang genommen hatte, ein Stück den Berg hinab zu unserem Zimmer. In der Sekunde, in der wir durch die Tür traten, verschlug es uns den Atem! Wir standen in einem kleinen, aber gemütlichen Raum und blickten durch die weit geöffneten Fenster direkt hinab ins Tal. Was eine Aussicht! Noch besser lässt sie sich allerdings von der großen Terrasse genießen,  die unmittelbar an den einladenden Gemeinschaftsraum anschließt. Am liebsten hätten wir uns einfach dort niedergelassen – und wären vermutlich nie wieder aufgestanden. Umrahmt von dicht bewachsenen Hügeln und grünen Feldern glitzerte tief unter uns der „Lago de Cachí“ in der Sonne, während zu unserer Rechten ein schier endloser Wasserfall in die Tiefe stürzte. Wunderschön! So in etwa stellen wir uns das Paradies vor.

Orosi_ElSalto

Wach werden, ins Tal schauen und sich wie im Paradies fühlen!

Aber dann meldete sich unser Tatendrang wieder zu Wort. Wir wollten unbedingt die Gegend erkunden und tiefer eintauchen ins Vallée de Orosí. Nach einem unkomplizierten Check-In (passend zur Ecolodge ganz „altmodisch“ mit Papier und Bargeld) sowie einer kurzen Einführung in die Gepflogenheiten der Unterkunft machten wir uns mit einer selbstgezeichneten Karte unseres Hosts auf den Weg. 

Auf Erkundungstour im Vallée de Orosí

Keine Sorge: auch ohne Kugelschreiber-Kunstwerk eines Einheimischen ist das Vallée de Orosí leicht zu befahren. Einfach immer der Hauptstraße 224 folgen, die auf einem etwa 30 Kilometer langen Rundkurs durchs Tal führt und zwischendurch mal rechts abbiegen, um den einen oder anderen besonderen Ort zu entdecken. Dann kann nichts schief gehen! 

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In den Ruinen von Ujarrás kann man die Reste der ältesten Kirche des Landes bestaunen.

Unser erster Halt waren die Ruinen von Ujarrás. Im Jahr 1833 hat eine schlimme Überschwemmung das ganze Dorf nahezu ausgelöscht. Heute stehen nur noch die Grundmauern der 1693 erbauten „Iglesia de Nuestra Senõra de la Limpia Conceptión“. Sie zählt zu den ältesten Kirchen des ganzen Landes. Kurz wunderten wir uns, ein Pförtnerhäuschen zu sehen, denn unser Reiseführer hatte freien Eintritt versprochen. Statt Geld über den Tresen zu schieben mussten wir dort allerdings nur unsere Ausweise vorzeigen und wurden als Besucher in eine Liste eingetragen, dann durften wir das parkähnliche Gelände betreten. Ehrlich gesagt… hatten wir schon spannendere Ruinen gesehen. Aber als wir uns die alten Mauern genauer anschauten, entdeckten wir eine Gruppe leuchtend grüner Papageien, die es sich in den Löchern gemütlich gemacht hatte. Und auch die Bäume ringsum waren voller bunter Vögel, die in den unterschiedlichsten Tönen ihre Lieder sagen. Dafür hat sich dieser Halt definitiv gelohnt!

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Die Papageien nisteten in den Mauern der Ruine.

Anschließend fuhren wir weiter zur „Casona del Cafetal“. Das hübsche Restaurant im Kolonialstil befindet sich am Rande einer großen Kaffeeplantage und ist der perfekte Ort, um ein paar kühle Drinks mit Seeblick zu genießen. Denn der Lago de Cachí ist nur einen Steinwurf entfernt. Von der Terrasse aus führt ein kurzer Weg direkt hinunter zum Seeufer, alternativ kann man sich die Beine in der weitläufigen Gartenanlage vertreten.

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Am Lago de Cachí kann man entspannen und die Seele baumeln lassen.

Spannend war für uns aber auch der Parkplatz – so blöd das vielleicht klingen mag. Denn in den riesigen Bäumen flatterten unzählige Oropendolas umher, deren Rufe uns irgendwie an quietschende Türen erinnerten… Ein Fest für die Ohren!

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Die Oropendolas haben uns mit ihrem „Gesang“ doch sehr überrascht.

Der letzte Halt unserer Tour war Orosí selbst – ein kleiner, verschlafener Ort, in dem es eigentlich nichts Besonderes zu sehen gibt. Gerade das war aber so reizvoll für uns. Nach all dem Trubel in San José genossen wir es, in Ruhe durch die Straßen zu schlendern und den Einheimischen bei ihren alltäglichen Beschäftigungen zuzusehen: einkaufen, Kaffee trinken, Fußball spielen. Das ganz normale Leben eben.

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Die Wandkunst war das interessanteste an dem kleinen Ort Orosí.

Gern würden wir zum Abschluss noch einen tollen Restauranttip fürs Abendessen präsentieren. Aber dafür hätten wir eben auch ein tolles Restaurant finden müssen. Letztlich sind wir im  „Restaurant La Catarata del Vallée de Ujarrás“ gelandet und haben bei durchschnittlichem guten Essen mit den anderen beiden Pärchen aus unserer Unterkunft dennoch einen netten Abend verbracht.

Ausflugstipp: Parque Nacional Vulcán Irazú

Wie eingangs schon erwähnt sind wir nur im Vallée de Orosí gelandet, weil wir unbedingt den „Irazú“ besuchen wollten, der mit 3.432 Metern der höchste Vulkan im ganzen Land ist. Von der El Salto Ecologde dauerte die Fahrt zum „Parque Nacional Volcán Irazú“ etwa eine Stunde und verlief ganz schön kurvenreich. Wir sind extra früh aufgestanden für unseren Ausflug. Erstens, damit wir nicht hinter schleichenden Touri-Bussen den Berg hinauf kriechen müssen. Das kostet viel zu viele Nerven! Zweitens, damit wir uns an der Zufahrt zum Park nicht in eine ewig lange Autoschlange einreihen müssen. Denn dort gibt es neben den Eintrittskarten (13 €) auch eine ausführlich Sicherheitsunterweisung für jeden Besucher – und das kann dauern! Und drittens, damit wir überhaupt etwas vom Vulkan zu sehen bekommen. Selbst bei guten Wetterbedingungen verhüllt er sich ab dem späten Vormittag gern in Wolken! 

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Schon auf dem Weg zum Irazú entschwanden wir den Wolken.

Und der Plan ging auf! Die letzten Kilometer vor dem Ziel waren noch eine Zitterpartie, denn es zogen immer mehr Wolken auf, die feinen Sprühregen auf uns nieder rieseln ließen. Aber kaum hatten wir das Auto auf dem Parkplatz abgestellt, riss die Wolkendecke auf und die unwirklich Landschaft um uns herum präsentierte sich in strahlendem Sonnenschein. Also: keine Zeit verlieren – nicht nur wegen des Glücksspiels mit dem Wetter. Man hatte uns an der Zufahrt nämlich gewarnt: am frühen Morgen seien verstärkte Austritte von Schwefelgasen verzeichnet worden. Momentan habe sich die Lage zwar wieder beruhigt, bei einem erneuten Anstieg müssten wir allerdings sofort den Park verlassen. Daher steuerten wir auf direktem Weg die Vulkankrater an.

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Der riesige Hauptkrater hat uns kurz die Sprache verschlagen.

Am spektakulärsten ist definitiv der Hauptkrater mit einem unglaublichen Durchmesser von 1.050 Metern. Auf seinem Grund leuchtet ein grün-blauer Schwefelsee. Besser nicht hineinfallen! Aber auch die anderen Krater können sich sehen lassen. Wir sind einmal den kompletten Weg am Geländer des Kraterrandes entlang spaziert und quer über den „Playa Hermosa“ (der flachste aller Krater) zum Auto zurück gekehrt. Die anschließende Fahrt bis ganz hinauf auf den Gipfel hätten wir uns sparen können… Aussicht? Nicht anders als von unten. Hinterher ist man immer schlauer.

Auf dem Weg zur Küste: Cerro de la Muerte und Cloudbridge Nature Reserve

Deutlich mehr begeistert hat uns hingegen die Weiterfahrt zur Küste. Die kürzeste Strecke führt über den „Cerro de la Muerte“ (zu deutsch: „Todesberg“). Ganz so gefährlich, wie es klingt, ist es allerdings nicht (mehr). Der Name stammt aus einer Zeit, als es noch keine asphaltierte Passstraße gab und der Berg nur zu Fuß oder hoch zu Ross überquert werden konnte. Dennoch kann ein bisschen Vorsicht nicht schaden, denn die Serpentinen haben es ganz schön in sich und Nebel ist gerade in Gipfelnähe auf über 3.000 Metern an der Tagesordnung. Stellenweise konnten wir kaum 100 Meter weit sehen. Definitiv ein Abenteuer!

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Der Spaziergang durch das Savegre Resort war ruhig. Zu ruhig für unseren Geschmack.

Unseren Zwischenstopp in San Gerardo de Dota können wir nicht unbedingt weiterempfehlen. Wir hatten die naive Hoffnung, entlang der Wanderwege im Savegre Resort (Eintritt für Wanderer: 8€) den seltenen Quetzal (ein wunderschöner grün-roter Vogel mit unglaublich langen Schwanzfedern) aufzuspüren, aber tatsächlich haben wir kein einziges Tier zu Gesicht bekommen. Dafür hat sich der ewig lange Umweg über die staubige Schotterpiste definitiv nicht gelohnt…

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Die perfekte Aussicht vom Frühstückstisch.

Aber wie so oft folgt nach jeder Enttäuschung auch wieder eine positive Überraschung – in unserem Fall in Form unserer Unterkunft „Mirador Vallée del General“, die ihrem Namen alle Ehre macht. Nach einer entspannten Nacht in einer gemütlichen und geräumigen Hütte mitten im Wald haben wir den halben Vormittag beim Frühstück auf dem Balkon des Haupthauses vertrödelt, die traumhafte Aussicht genossen und unzählige Vögel beobachtet. Herrlich! Übernachtet haben wir hier übrigens, weil wir im (vermeintlich) nahe gelegenen „Cloudbridge Nature Reserve“ wandern gehen wollten – was wir auch getan haben, nachdem wir uns endlich von dem Balkon losreißen konnten. Die Fahrt dorthin war etwas nervenaufreibend und die letzten Kilometer kämpften wir uns über eine von Schlaglöchern durchzogene, enge Sandpiste, aber unsere Mühe zahlte sich aus. In dem privaten Naturschutzgebiet (Eintritt nach eigenem Ermessen, empfohlen: 5€) haben wir zwar nicht allzu viele Tiere entdeckt, aber dafür wunderschöne Wasserfälle und unberührte Natur. Einfach traumhaft! 

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Die Wasserfälle im Cloudbridge Nature Reserve können sich sehen lassen.

Zur Stärkung haben wir anschließend in San Isidro de El General Halt gemacht und uns im „Urban Farm Café“ (Calle Central) zwei leckere Eiskaffees und einen reichlich belegten Burrito gegönnt. Nicht von der unscheinbaren Fassade abschrecken lassen: gleich hinter dem Café befindet sich ein idyllischer Garten mit schattigen Sitzplätzen, in dem alles gleich doppelt so gut schmeckt.

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Im Urban Farm Café ließen wir es uns mit Snacks und Eiscafé gut gehen.

Und jetzt aber wirklich: Auf zur Küste!

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