[Israel] Eine Zeitreise auf zwei Rädern: Mit dem Fahrrad nach Jaffa

Nachdem wir uns an unserem ersten Tag in Israel voll auf das moderne Zentrum Tel Avivs konzentriert hatten, wanderte unser Blick abends während des Sonnenuntergangs am Strand bereits sehnsüchtig Richtung Süden. Dort hinten, gefühlt nur einen Steinwurf entfernt, hob sich ein Kirchturm vom rosa gefärbten Himmel ab. Er markierte unser Ziel für den nächsten Tag: Jaffa, die alte Hafenstadt. Sie existiert bereits seit der Antike und fungierte jahrhundertelang komplett eigenständig, bevor sie Anfang des 20. Jahrhunderts mit dem neugegründeten Tel Aviv zu einer Doppelstadt verschmolz. Heute ist sich niemand so ganz sicher, wo Tel Aviv eigentlich aufhört und Jaffa anfängt. Aber sobald die Häuser eindeutig arabisch-orientalisch anmuten, kann man sich sicher sein, Jaffa erreicht zu haben. Wir freuten uns riesig auf unsere Erkundungstour durch die engen, kopfsteingepflasterten Gassen und schliefen mit einem Kribbeln im Bauch ein.

Ohne Frühstück? Ohne uns!

Am nächsten Morgen sprangen wir mit dem ersten Weckerklingeln aus den Federn und nach einer kurzen Stippvisite im Bad waren wir startklar für unser Abenteuer. Aber halt: Nicht mit leerem Magen! Auch wenn uns das Frühstück im „Hamitbahon“ am gestrigen Tag schon extrem begeistert hatte, wollten wir im Foodparadies Tel Aviv unbedingt noch ein anderes Restaurant ausprobieren. Zum Glück boten sich im direkten Umfeld unseres Airbnbs diverse Optionen für die wichtigste Mahlzeit des Tages. Wir entschieden uns für das „Hakovshim“ Bistro und luden unseren Tisch mit leckerem Kaffee, Müsli und Sandwiches voll. Schließlich brauchten für eine gute Grundlage für unseren Plan, Jaffa mit dem Fahrrad zu erkunden.

TelAviv_Hakovshim

Ohne ein gutes Frühstück starten wir selten in den Tag.

Tel-O-Fun: Fahrrad ausleihen leicht gemacht

Ein Citybike zu mieten ist dank des gut ausgebauten Netzes an Radstationen von „Tel-O-Fun“ super einfach: Kreditkarte zücken, am Terminal registrieren, Grundgebühr zahlen (etwa 5 Euro) und Fahrrad auswählen. Wenn man das Rad immer innerhalb von 30 Minuten an der nächsten Station wieder abgibt, kommen auch keine weiteren Kosten hinzu. Nach mindestens 10 Minuten Wartezeit, die man super mit Sightseeing füllen kann, darf man sich dann das nächste Rad schnappen und weiterfahren. Ein tolles Angebot, finden wir! Also schwangen wir uns auf die Drahtesel und traten in die Pedale.

Der Weg ist das Ziel: Zwischenstopp am HaTachana

Zielstrebig radelten wir Richtung Jaffa. Doch kaum hatten wir die ersten Meter zurückgelegt, weckte ein größerer Parkplatz unser Interesse. Auf ihm befand sich nämlich eine „Tel-O-Fun“-Radstation – und die stehen ja bekanntlich meist an „Points of Interest“. Neugierig loggten wir unsere Räder ein und schauten uns ein wenig um. Die Gebäude jenseits des Parkplatzes sahen aus wie ein… Bahnhof! Aber wo sind die Züge? Und warum gibt es keine Schienen?

Jaffa_HaTachana

Ein paar Bahnhofsreste aus vergangenen Tagen haben wir dann doch noch gefunden.

Das mussten wir genauer erforschen! Direkt am Eingang klärte eine Informationstafel auf: „HaTachana“ ist der alte Bahnhof von Jaffa. Nach seiner Stilllegung wurde er vor einigen Jahren zu einem stilvollen Shopping-Center mit individuellen Läden, kleinen Cafés und schicken Restaurants umgebaut. Sehr einladend für einen kurzen Bummel! Und wir finden die Idee hinter dem Projekt klasse: alte Gebäude (vor allem solche mit Geschichte!) nicht verfallen zu lassen oder abzureissen, sondern sinnvoll weiter zu nutzen.

Jaffa_HaTachanaShops

Die alten Bahnhofsgebäude beherbergen nun individuelle Stores und Cafés.

Direkt nebenan liegt übrigens auch noch das Israeli Defence Museum, das uns allerdings ziemlich kalt gelassen hat. Also lösten wir unsere Räder wieder aus dem Terminal (die 10 Minuten waren natürlich längst um) und fuhren weiter. Volle Kraft voraus!

Nach nicht mal 2 Minuten hatten wir die Strandpromenade erreicht – und mussten erneut anhalten. Der Blick auf die Skyline von Tel Aviv im Norden und auf den Kirchturm von Jaffa im Süden war schlichtweg atemberaubend! Dazu der strahlende Sonnenschein und eine leichte Meeresbrise. Einfach herrlich!

Jaffa_Bike

Ein traumhafter Ort für eine kleine Pause.

Wir rasteten kurz auf einer Bank und ließen die Atmosphäre auf uns wirken. Aber dann besonnen wir uns darauf, nun endlich das Zentrum von Jaffa zu erreichen.

Wie in einer anderen Welt: Auf Entdeckungstour in Jaffa

Gesagt, getan. Ehe wir uns versahen, breiteten sich vor uns bereits die Gassen der Altstadt aus. Offenbar hatten wir uns noch nicht ganz an unser neues Reisetempo gewöhnt, denn auf unseren Drahteseln waren wir natürlich deutlich schneller unterwegs als gestern zu Fuß. Eine Radstation war schnell gefunden und so verabschiedeten wir uns vorübergehend von unseren treuen Gefährten. Ab jetzt war wieder Laufen angesagt. Wir entschlossen uns, zuerst den kleinen Hügel im Abrasha Park zu erklimmen, um uns von oben einen Überblick über das Gewirr der Altstadt zu verschaffen. Auf unserem Weg hinauf stolperten wir über einen Wegweiser zur „Wishing Bridge“. Na die müssen wir uns unbedingt ansehen! Jegliche andere Skulpturen im Park ließen wir kurzerhand links liegen. Sie zeigten angeblich bekannte Szenen aus der Bibel, die wir allerdings partout nicht in den kunstvollen Schnitzereien erkennen konnten. Vielleicht fehlte uns einfach die Phantasie… Andere Touristen einer großen Reisegruppe schienen deutlich erfolgreicher bei der Interpretation der Steinfiguren – zum Glück für uns, denn so gewannen wir einen Vorsprung und hatten die Wishing Bridge fast für uns allein.

Jaffa_WishingBridge

Was soll man sich bei dieser Kulissen denn noch wünschen?

Wir nutzten die Gunst der Stunde und folgten dem Brauch der Brücke: Hand auf sein Sternzeichen legen, auf’s Meer hinausschauen und sich etwas wünschen. Ob unsere Wünsche in Erfüllung gegangen sind? Das verraten wir an dieser Stelle natürlich nicht.

Jaffa_Title

Die St. Peters Kirche haben wir dann doch ausgelassen.

Jenseits der Brücke trafen wir auf die hübsche St. Peters Kirche. An der Tür prangte ein Schild: „Wegen Gottesdienst für Touristen geschlossen!“ Kein Problem! Wir hatten schon so viele Kirchen auf dieser Welt gesehen, dass wir es gut verschmerzen konnten, eine auslassen zu müssen. Stattdessen tauchten wir tiefer ein in die hübschen kleinen Gässchen der Altstadt. Die Atmosphäre fesselte uns sofort! Überall blühten farbenprächtige Blumen. Sie leuchteten mit den bunten Türen und Fensterrahmen der steinernen Häuser um die Wette. In jedem Winkel, hinter jeder Ecke gab es neue Details zu entdecken. Irgendwann verloren wir uns in dem Labyrinth aus Wegen, Treppen und Abzweigungen. Gut möglich, dass wir manche Orte letztlich sogar zwei- oder dreimal gesehen haben. Wenn dem so ist, haben sie uns aber immer wieder auf’s Neue fasziniert.

Jaffa_OldTownStreets

Die Blumen blühen hier um die Wette.

Charmant waren auch die vielen kleinen Kunstgalerien, die wir auf der Suche nach einem netten Souvenir der Reihe nach durchstöberten. In der dritten Galerie wurden wir fündig: ein schönes Bild vom berühmten „Jaffa Orange Tree“ wanderte in unseren Rucksack.

Jaffa_Details

Fast jeder Hauseingang ist liebevoll dekoriert.

Bald gelangten wir wieder zum Hauptplatz, dem Kdumim Square. So gut uns Jaffa bislang auch gefallen hat – ein nettes Plätzchen für einen Mittagssnack hatten wir noch nicht gefunden. Da kam uns das Bell Café gerade recht! Mit einem grandiosen Ausblick auf das Mittelmeer haben wir uns zwei unglaublich leckere Küchlein und erfrischende Kaltgetränke gegönnt. Wenn ihr nicht mit einem allzu schmalen Geldbeutel reist, können wir euch diesen Ort wärmstens empfehlen!

Frisch gestärkt und ausgeruht machten wir uns wenig später auf den Weg in den neueren Teil Jaffas – getrieben von der Hoffnung, zusätzlich zu dem tollen Bild vielleicht noch irgendetwas Lohnenswertes auf dem berühmten Flohmarkt erstehen zu können. Aber hier erlebten wir eine Enttäuschung (die erste unserer Reise!): zwischen langweiligem Haushaltskram und 0815-Klamotten konnten wir keine Rarität entdecken. Hatten wir zu hohe Erwartungen (im Hinterkopf die Nachtmärkte in Asien, bei denen wir reihenweise die Stände hätten leerkaufen können)? Oder waren wir schlichtweg zu spät dran, so dass die beste Ware schon an den Mann gebracht war? Wir wissen es nicht.

Statt Trübsal zu blasen, stürzten wir uns kopfüber in die trubelige Fußgängerzone Jaffas mit den vielen Cafés und kleinen Geschäften, die zum Schaufensterbummel einluden. An einem Obstladen gönnten wir uns einen frisch gepressten Granatapfelsaft, der in Israel beinahe schon zu den Nationalgetränken zählt. Wir lieben Granatäpfel, scheuen uns allerdings immer vor der Zubereitung zu Hause, weil sie meist in einer riesigen Sauerei endet. Umso mehr genossen wir jetzt die Vitaminbombe.

Jaffa_OrangeTree

Beinahe haben wir den berühmten Jaffa Orange Tree verpasst.

Als wir uns gerade wieder auf die Suche nach der nächstgelegenen Radstation machen wollten, um den Rückweg nach Tel Aviv anzutreten, fiel uns plötzlich siedend heiß etwas ein: wir hatten uns zwar ein Bild des Orange Trees gekauft, den Baum selbst aber gar nicht angeschaut! Das geht doch nicht! Also bogen wir nochmal in die Altstadtgassen ab und folgten unserem Instinkt an einen Ort, an dem wir zuvor nur schnell vorbei gehuscht waren. Dabei hatten wir ihn glatt übersehen, den hängenden Orangenbaum. Besonders imposant ist er nämlich nicht, aber dennoch von Bedeutung. Denn Jaffa erlangte seinen Ruhm unter anderem durch den Export der Orangen, die in Israel angebaut wurden. Lange Zeit glaubten viele Menschen sogar, dass die Orangen direkt aus Jaffa kämen, woher die Namensgebung der Jaffa-Orange oder des Jaffa-Cake rührt. Heute weiss man natürlich, dass Jaffa lediglich als Exporthafen diente.

Jaffa_SunsetBehindMosque

Ein Tag in Jaffa neigt sich dem Ende. Gerne kommen wir irgendwann nochmal wieder.

Na bitte, hatten wir das Bäumchen doch noch entdeckt! Nun schwangen wir uns aber endgültig wieder rauf auf’s Rad und kehrten einer Stadt den Rücken, die uns auf ganzer Linie begeistert hat! Sie ist so eng mit Tel Aviv verbunden – und dennoch so ganz anders. Sollte es euch jemals nach Israel verschlagen, plant in eurer Reiseroute unbedingt einen Tag in Jaffa ein!

 

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